Modemacher, Museum, Megazwist: Warum die Galliano-Ausstellung abgesagt wurde

Kultur

Er ist einer jener Modedesigner, deren Name auch jenen etwas sagt, die sich keine Haute Couture leisten können: John Galliano war Kreativdirektor bei Dior, Givenchy und bei seinem eigenen Label. Und dann war er 2011 betrunken in einer Bar in Paris – und sagte dort einem jüdischen Paar, dass er Hitler liebe und ihre Vorfahren „vergast wären“.

Die Folge: Galliano verlor seine prestigereichen Jobs, es gab Prozesse und eine öffentliche Entschuldigung, bei der er auf eine „zweite Chance“ hoffte. Die bekam er: Ab 2014 hatte er wieder eine Leitungsfunktion als Kreativchef bei Maison Margiela, zuletzt hat die Modekette Zara eine Kooperation angekündigt.

Doch nun, 15 Jahre nach dem Vorfall, haben ihn seine Aussagen von damals eingeholt – und dem renommierten Metropolitan Museum in New York eine giftige öffentliche Debatte eingebracht.

Chef des Museums ist der Österreicher Max Hollein, Bruder von MAK-Direktorin Lilli Hollein, die derzeit in Wien mit den Folgen des bewaffneten Raubes eines millionenteuren Colliers zu kämpfen hat. Im Frühjahr 2027 wollte das Met Museum im Costume Institute (das sich Mode und Kostümbild widmet) eine Retrospektive zu Gallianos Schaffen zeigen – er wäre der erst dritte lebende Modedesigner gewesen, dem diese Museumsehre zuteilwird. Die Ausstellung hätte am Tag der wichtigen Met-Gala – einem Society- und Modeevent, nicht ganz unähnlich, aber prominenter als der Wiener Opernball – präsentiert werden sollen. Auch dort hätte Galliano eine Ehrung erhalten.

Doch sofort nach der Bekanntgabe im Juli gab es scharfe Kritik – aus der Modeszene und der jüdischen Community in New York, darunter von namhaften Großspendern des Museums. Eine davon, Alice Tisch, bezeichnete laut New York Times die Ausstellungspläne als „Fehler der Leitung“ und eine „Reinwaschung“ Gallianos.

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Die Kritik war keine große Überraschung. Um ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte Galliano, schon bevor die Ausstellungspläne bekannt waren, mit hochrangigen Vertretern der jüdischen Community Gespräche geführt. Diese seien danach größtenteils überzeugt gewesen, dass Galliano seine damaligen Aussagen wahrhaftig bereut. Nicht überzeugt genug, wie sich jetzt zeigt.

Promi-Einsatz

Dass die Ausstellung überhaupt geplant war, hat einen prominenten (Mit-)Grund: Eine treibende Kraft hinter der Ausstellung und eine jahrelange Fürsprecherin Gallianos ist die legendäre Vogue-Chefin Anna Wintour. „Seine Karriere ist nicht durch einen einzigen Moment definiert“, sagte sie bei der Bekanntgabe der Pläne. Dank ihr ist die Met-Gala auch zu dem Promi- und Milliardärs-Event geworden, als das sie inzwischen bekannt ist, was wiederum für das Museum finanziell immens wichtig ist: Dutzende Millionen Dollar werden dort für das Costume Institute eingenommen. Der Flügel, in dem es liegt, trägt seit 2014 den Namen Wintours.

Wachsende Kritik

Doch hat man wohl den Kontext in der Kulturszene falsch eingeschätzt. Dort gibt es – siehe Venedig, Berlinale, documenta und weiteres – eine deutlich anti-israelische Schlagseite, die auch in New York groß debattiert wird.

Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt bei Galliano Schwamm drüber zu sagen, dagegen wuchs zuletzt der Widerstand intensiv. Selbst ein Sprecher von Bürgermeister Zohran Mamdani, dessen politische Positionierung zu Israel ebenfalls für Diskussionsstoff gesorgt hatte, thematisierte den „Schmerz und Zorn“ vieler New Yorker Juden.

Nun zog Hollein die Reißleine: Nach „tiefgehenden Diskussionen mit John Galliano haben wir gemeinsam beschlossen, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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