
Wie weit Kinder im österreichischen Bildungssystem kommen, hängt weiterhin stark vom Bildungsabschluss ihrer Eltern ab. Das zeigt eine am Mittwoch präsentierte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS). Die Forscher Mario Steiner, Nora Haag und Maria Köpping untersuchten dafür die Bildungs- und Erwerbsverläufe von 85.535 jungen Menschen über 17 Jahre.
„Wir sind alle im selben Bildungssystem, aber je nach sozialem Hintergrund in ganz anderen Bildungswelten“, fasste Studienautor Mario Steiner die Ergebnisse zusammen.
Große Kluft schon in der Volksschule
Am stärksten unterscheiden sich die Bildungswege nach dem Bildungsabschluss der Eltern. Bereits in der Elementarstufe (Volksschule) besuchen sechs Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, eine Sonderschule. Bei Kindern tertiär gebildeter Eltern ist es ein Prozent.
Besonders deutlich wird die Kluft beim Wechsel in die Sekundarstufe. Mit 13 Jahren besuchen 65 Prozent der Kinder von Akademikern eine AHS, bei Kindern von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss sind es nur elf Prozent.
In der Oberstufe besuchen 83 Prozent der Jugendlichen aus bildungsprivilegierten Haushalten eine maturaführende Schule, bei den Bildungsbenachteiligten sind es 24 Prozent. Mit 22 Jahren befinden sich schließlich 59 Prozent der Kinder tertiär gebildeter Eltern selbst in einer tertiären Ausbildung. Bei Kindern von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss sind es elf Prozent.
Viele dieser Jugendlichen schaffen zwar über eine Lehre einen Bildungsaufstieg gegenüber ihren Eltern. Höhere Bildung bleibt ihnen laut Steiner aber weitgehend verschlossen.
Migrationshintergrund weniger entscheidend
Deutlich geringer sind die Unterschiede nach Migrationshintergrund. Mit 16 Jahren besuchen 53 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund eine maturaführende Schule. In der zweiten Generation sind es 47 Prozent, in der ersten Generation 39 Prozent.
Menschen mit Migrationshintergrund generell als bildungsbenachteiligte Gruppe zu betrachten, greife deshalb zu kurz, argumentiert Steiner. Entscheidend seien vielmehr die unterschiedlichen sozioökonomischen Voraussetzungen innerhalb dieser Gruppe.
Mädchen häufiger an Hochschulen
Unterschiede gibt es auch zwischen den Geschlechtern. Mädchen durchlaufen häufiger akademische Bildungswege, Burschen häufiger eine Lehre. Mit 16 Jahren sind 36 Prozent der Burschen, aber nur 20 Prozent der Mädchen in einer Lehre. Mit 22 Jahren befinden sich dagegen 32 Prozent der jungen Frauen und 24 Prozent der Männer in tertiärer Ausbildung.
Auffällig sind auch die späteren Chancen nach einem Sonderschulbesuch. Von Jugendlichen, die eine Sonderschule besucht haben, sind mit 23 Jahren 50 Prozent arbeitslos, inaktiv oder anderweitig erwerbsfern. Nach integrierter sonderpädagogischer Betreuung sind es 25 Prozent, bei Jugendlichen aus dem Regelschulsystem elf Prozent.
Steiner für mehr Ganztagsschulen
Den wichtigsten bildungspolitischen Hebel sieht der Wissenschafter Steiner im Ausbau ganztägiger Schulformen. Damit soll der Bildungserfolg weniger davon abhängen, wie viel Lernunterstützung Eltern zu Hause leisten oder privat zukaufen können.
Die Studie zeigt insgesamt, dass sich soziale Ungleichheiten früh herausbilden und im weiteren Bildungsweg verfestigen. Besonders der Übergang nach der Volksschule erweist sich dabei als entscheidende Phase.
Source:: Kurier.at – Politik



