
Nun ist es also fix: Harald Vodosek, bisher Rüstungsdirektor und damit oberster „Einkäufer“ der österreichischen Armee, wird nach Rudolf Striedinger nächster Generalstabschef und somit ranghöchster Militär des Landes.
Die Entscheidung ist nicht wirklich überraschend. Seit Wochen galt es als ausgemacht, dass entweder Planungschef Bruno Hofbauer oder Vodosek das Rennen machen.
Welche Aufgaben und Herausforderungen kommen auf den neuen Amtsinhaber ab 1. Oktober zu, worin unterscheiden sie sich allenfalls von denen der früheren Amtsinhaber?
Im Vergleich zu Vorvorgängern wie Othmar Commenda oder Robert Brieger, deren Aufgabe – hart formuliert – de facto in der Verwaltung der Mängel bestanden hat, liegt vor Vodosek mit dem „Aufbauplan 2032+“ und den damit verbundenen Budgetmitteln ein klarer Plan, der umgesetzt werden muss. Das Budget ist diesbezüglich ein durchaus spannender Punkt. Denn es fiel nicht ganz so üppig aus, wie ursprünglich geplant. Und das ist so auch im Landesverteidigungsbericht 2026/27 nachzulesen. Wörtlich heißt es da: „Die geplante Herstellung der vollen Verteidigungsfähigkeit der Republik Österreich wird verzögert. Sollte sich die Budgetlage für das ÖBH nach 2028 nicht verbessern, wird die Umsetzung von Teilbereichen des Aufbauplan ÖBH2032+ erschwert.“
Unterm Strich klagt die Armee über fast 13 Milliarden Euro, die bis 2031 fehlen, um volle Schlagkraft zu entwickeln. Und genau das, also die Kritik an der Ressortführung sowie der Regierung, soll mit einer der Gründe gewesen sein, warum Hofbauer beim Rennen um den Posten letztlich das Nachsehen hatte – der Landesverteidigungsbericht wurde von seiner Abteilung erstellt.
Zurück zu Vodoseks Herausforderungen: Im Aufbauplan ist im Wesentlichen vorgegeben, welche Fähigkeiten das Bundesheer in allen Bereichen, also von der Luft übers Wasser bis hin zu Drohnen und der Cyberabwehr, entwickeln muss. Vodosek hat das zu steuern.
Im Unterschied zu seinen Vorgängern hat Vodosek nicht nur mehr Budget, es hat sich auch die Bedrohungslage massiv verändert bzw. verschärft. Konnten frühere Generalstabschefs noch mehr oder weniger gelassen davon ausgehen, dass Österreich kein primäres Ziel für militärische Angriffe – egal ob digital, hybrid oder konventionell – darstellt, ist die Lage 2026 eine gänzlich andere. Russland attackiert in Permanenz die europäische Infrastruktur. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich Zwischenfälle wie zuletzt die Drohnen-Attacke in Leipzig wiederholen, ist hoch.
Ein pikantes Detail: Der Aufbauplan, den Vodosek als oberster Militär umzusetzen hat, wurde maßgeblich von Bruno Hofbauer entworfen. Der Generalstabschef muss demnach einen Plan realisieren, den sein Stellvertreter entworfen hat – zwischenmenschlich gibt es einfachere Konstellationen. „Es wird spannend, wie die beiden harmonieren – oder eben auch nicht“, sagt ein Generalstabsoffizier zum KURIER.
Wehrpflicht neu
Abgesehen davon wartet auf Vodosek eine personaltechnische Herausforderung, die zuletzt kein Generalstabschef hatte. Denn wenn die Bundesregierung ihren Plan realisiert und im Parlament eine Verlängerung des Wehrdienstes samt Aufwertung der Miliz beschließt, wird es an Vodosek liegen, die neue Wehrpflicht in der Praxis umzusetzen – trotz der erwähnten 13 Milliarden Euro, die laut Militär fehlen.
Was das Verhältnis zur Ressortchefin, also zu Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, angeht, gilt der neue Generalstabschef als „Bank“. Zwischen die beiden passe kein Löschblatt, so heißt es im Verteidigungsministerium. Und das liegt unter anderem daran, dass der neue Armee-Chef nicht nur Niederösterreicher, sondern wie Kanzler Christian Stocker aus Wiener Neustadt …read more
Source:: Kurier.at – Politik



