
Aus Minus wird Plus: Anstatt inmitten einer für den internationalen Kunstmarkt generell schwierigen Zeit das Bild einer Brachlandschaft abzugeben, erscheint Wien dieser Tage wieder als ein pulsierender „place to be“ – mit einer enormen Dichte an Kunst-Events (siehe unten), die einerseits Sammler verschiedener Geldbörsen-Größen ansprechen, aber auch Interessierte und Protagonisten des Betriebs über Grenzen hinaus vernetzen.
Die „Astoria Artshow“, die am Donnerstag in der patinierten Astoria-Garage in der Trautsongasse nahe dem Wiener Rathaus eröffnete, ist dabei zugleich Neuzugang und Zugmaschine: Nachdem die ins Straucheln geratene Messe „Viennacontemporary“ sich im Jänner auflöste und die „Spark“ kurz darauf ihre Ausgabe für 2026 aussetzte, nahmen Galeristen und Galeristinnen die Sache selbst in die Hand.
„Es gab plötzlich das, was Wiens Galerieszene immer abgesprochen wird – Eintracht und Zusammenhalt“, freute sich Markus Peichl, Geschäftsführer der Galerie Crone und Obmann des Vereins VAU (für „Vienna Art United“) bei der Pressekonferenz am Donnerstag.
Mehr als eine Notlösung
Die bis Sonntag zu besuchende „Astoria Artshow“, die nun den Startschuss für eine langfristig angelegte Kunststandort-Initiative geben soll, ist in der Tat viel mehr als eine Notlösung.
Die Garage mit ihrer spiralförmigen Rampe bietet schon viel Flair – und erinnert daran, dass derartige ans Auto angepasste Architektur auch dem berühmten New Yorker Guggenheim-Museum von Frank Lloyd Wright Pate stand.
Auf den Auto-Stellplätzen finden schließlich nicht weniger als 80 Aussteller Platz, wobei der ursprüngliche Kreis von 35 Wiener Galerien durch Wiens Kunstunis und internationale Zugänge erweitert wird.
Die Londoner Des Bains Gallery oder die mit subtiler Fotografie aufwartende Galerie Ron Mandos aus den Niederlanden hat man in Wien bisher noch nicht gesehen; die Berliner Galerie KOW, eine angesehene Branchengröße, ist mit der Malerin Anna Boghiguian dabei.
Die slowenische P74 Gallery zeigt ein Werk des Künstlers Tadej Pogačar, das in Form eines Monopoly-Spiels über das Thema Menschenhandel informiert (900 € + MWSt). Ob sich so etwas gut verkaufen lässt? „Wir sind Idioten“, sagt Galeriedirektor Uros Legen lachend. „Aber wir machen das jetzt schon sehr lange.“
Etwas weniger Stress
Die Aussteller wurden aufgefordert, jeweils nur einen Künstler oder eine Künstlerin mit besonderen Werken zu präsentieren, was aus Publikumssicht ein Gewinn ist. Ob sich ein solcher auch in der Kassa einstellt, ist freilich eine andere Frage.
Bei der „Astoria Artshow“ ist der kommerzielle Druck durch ein „solidarisches Beitragsmodell“ gelindert, wie Co-Initiator Maximilian Thoman erklärt: Galerien, die – übers Jahr gerechnet – mehr Umsatz verbuchen, zahlten mehr ein als Galerien mit geringerem Verkaufsvolumen.
Und auch die öffentliche Hand fördert das Event, wobei sich VAU-Obmann Peichl nicht durchringen konnte, jene Summe zu nennen, die Stadt und Bund für die kurzfristige Initiative locker machten. Klar ist: Der Bund unterstützt die Sonderschiene „Zone 1“, die Stadt Wien ist über die Wien Holding, die Wirtschaftsagentur und die Kulturabteilung im Boot.
Zukunftspläne
Für das nächste Jahr habe man eine Zusage über eine „relevante Förderung“, sagt Peichl – ob die Messe dann wieder in der Astoria-Garage stattfindet oder weiterzieht, ist noch unklar. Man habe jedenfalls viel Überzeugungsarbeit geleistet, dass Wien einen Kunst-Leuchtturm brauche. Wie eine Studie zuletzt errechnete, tangiert die Branche abseits des Kunsthandels Sektoren bis zu Tourismus und Logistik – …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



