„Zukunftsforum“: Profi-Aufsichtsrat für ORF und „Emotionen“ in Diskussion

Kultur

Einen „breiten Beteiligungsprozess“ hatte sich Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) gewünscht. Als Grundlage für eine ORF-Reform initiierte er dazu ein „Zukunftsforum“, das am Donnerstag und am Freitag in seinem Ministerium über die Bühne ging.

Viel Zeit war in dem in die Jahre gekommenen Bau am Donaukanal nicht, um bei Kaffee und Plundergebäck zu plaudern. Ein dichtes Programm aus Reden, Impulsen und Panels wurde aufgetischt. Im Zentrum standen fünf Arbeitsgruppen. An Tag 1 wurde jeweils rund zwei Stunden diskutiert, am Schlusstag soll es vor allem darum gegangen sein, welche (exakt) drei Punkte man präsentieren werde.

Sparprogramm

Davor sprach aber noch die Generaldirektorin der SRG, Susanne Wille, über das schweizerische Pendant zum ORF im „Aufbruch“. Es ging um Vertrauen und Relevanz im digitalen Zeitalter. Sie erinnerte an die Volksabstimmung in der Schweiz, in der sich heuer 62 Prozent gegen eine Halbierung des Rundfunkbeitrags aussprachen. „Aber der Druck bleibt“, sagte sie. Weswegen ein großes Spar- und Change-Programm laufe. Es gebe viele neue Führungskräfte, die Stellen waren neu ausgeschrieben worden.

Dem ORF wurde ebenso ein mehrjähriger Sparkurs verordnet. Vor dem „Zukunftsforum“ sorgte zudem ein ÖVP-Papier für Aufsehen, in dem die Haushaltsabgabe in Frage gestellt wird und eine Reduktion bzw. eine Finanzierung aus dem Bundesbudget als Optionen genannt werden. Dies sorgte vor Beginn der Konferenz für Unmut bei Babler, wurde dann aber nicht diskutiert, weil Finanzierungsfragen nicht Teil der Erörterungen waren.

„Öffentlich-rechtlicher Auftrag und Programm“ war Thema der Arbeitsgruppe 1. Sie einigte sich darauf, dass der ORF ein attraktives Angebot für alle Bevölkerungsgruppen anbieten soll. Digital soll er durch Aufhebung von Beschränkungen freigespielt werden. Kultur und Kreativwirtschaft sowie Sport sollen stärker im Programmauftrag verankert werden. Das sollte Babler, auch Minister für Sport und Kultur, in seinem Fazit besonders freuen. Generell blieb man hier bei Überschriften.

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Die Gruppe „Jugend und Medienkompetenz“ wurde spontan von zwei jungen Teilnehmerinnen präsentiert. Verstärktes online only und online first soll hier die Präsenz des ORF steigern. Es sollen mehr Formate für und mit jungen Menschen sowie Medienkompetenztrainings angeboten werden.

Noch digitaler wurde es in der Gruppe „Digitalisierung, Plattformen und KI“. Sie empfahl eine Flexibilisierung des ORF für alle digitalen Kanäle, eine Stärkung der Auffindbarkeit von Public Interest-Inhalten. Verankert werden soll zudem ein Auftrag zu KI mit gemeinsamen Daten-, Infrastruktur- und Kooperationsmodellen.

Die Gesprächskultur in „Strukturen, Governance und Repräsentanz des Publikums“ beschrieb ein Teilnehmer als „überraschend gut“, obwohl die Politik in Form der Mediensprecher der Parteien (außer der fern gebliebenen FPÖ) an Bord war. Auf drei Dinge einigte sich die Gruppe: Ein verkleinerter, „professioneller“, nicht politisch besetzter Aufsichtsrat mit rund neun Personen, ein mehrköpfiger Vorstand statt einem ORF-General mit Direktorium, und Abberufungsmöglichkeit von Gremienmitgliedern nach Compliance-Verstößen. Diese relativ konkreten Ergebnisse hatten sich zum Teil abgezeichnet.

Mit Spannung wurden die Ergebnisse aus Gruppe 5, „Kooperationen und Medienstandort“ erwartet, die auf mehr als 40 Teilnehmer angewachsen sein soll, weil viele Stakeholder dabei sein wollten. Gleich sechs Punkte wurden präsentiert, weil man sich nicht auf drei einigen konnte: ORF-Inhalte sollen Mitbewerbern zur Verfügung stehen. Die Archivregelung soll ausgeweitet werden. Eine Kooperationsverpflichtung wird angeregt, ebenso ein gemeinsamer „Marketplace“, um sich gegen Big Tech zu …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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