Kunstszene Wien: Die Küken des Kunstmarkts werden flügge

Kultur

Alle reden vom „Großen Vermögenstransfer.“ Der Begriff klingt ein bisschen nach neurechter Verschwörungstheorie, bezeichnet aber lediglich den Umstand, dass in den kommenden Jahren große Werte, die die Generation der Babyboomer erwirtschaftet hat, an die Nachfolgegenerationen weitergegeben werden. Berechnungen, wie umfangreich dieses Vermögen ist, variieren stark – es umfasst jedenfalls auch Kunstsammlungen. 992 Milliarden US-$, schätzte das Unternehmen Deloitte 2025, werden allein in dieser Form innerhalb von 10 Jahren den Besitzer wechseln.

Ob dieser Transfer auch im hinteren Eck des Pavillons 13 am Otto-Wagner-Areal in Wien-Penzing ankommt, ist freilich noch unklar. Hubertus Grassberger hat dort im Rahmen der noch bis Sonntag laufenden Messe „Parallel“ seinen ersten großen Auftritt am Kunstmarkt: Der Absolvent eines Wiener Elitegymnasiums, der laut eigenen Angaben derzeit noch seinen Wehrdienst ableistet, zeigt in dem Raum aber immerhin Werke von Rudolf Polanszky, einem Künstler, der sonst von der globalen Mega-Galerie Gagosian vertreten wird. Man kenne einander über Verwandte, sagt der Neo-Kunsthändler.

Allianzen querbeet

Es ist nicht die einzige generationenübergreifende Allianz, die beim Saisonstart der Wiener Kunstszene in den vergangenen Tagen zu beobachten war. Auch im Kosmos der etablierten Galerien ist nicht zu übersehen, dass neue Personen das Ruder übernehmen und mit neuartigen Programmen und Präsentationsformaten versuchen, jüngeres Publikum für die Kunst zu begeistern.

Das meistbeachtete Event, die ebenfalls noch bis Sonntag laufende „Astoria Artshow“, ist wohl der unmittelbarste Ausdruck dieses Aufbruchs: Die auf Eigeninitiative von 35 Galerien aus dem Boden gestampfte Kunstschau in einer alten Garage in der Josefstadt zeigte nicht nur neuen Kooperationsgeist in der Stadt, sondern stellte auch infrage, ob das Modell einer von spezialisierten Veranstaltern ausgerichteten Kunstmesse das zwingende (und für die Beteiligten finanziell lohnendste) Format ist, mit dem sich Wien am internationalen Kunstkalender profilieren kann.

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Der „Kunstmarkt“ ist dabei ein komplexes Gebilde, in dem verschiedene Berufs- und Selbstbilder einander überlagern. Galeristen und Galeristinnen zeitgenössischer Kunst verstehen sich oft eher als Ermöglicher von Künstlerkarrieren, während der Kunsthandel stärker den Verkauf konkreter Kunstwerke im Blick hat (stammen die Objekte nicht direkt aus dem Atelier, sondern von Vorbesitzern, spricht man vom „Sekundärmarkt“).

Händler und Manager

Doch auch hier verschwimmen die Grenzen zusehends. „Der Galerist verkauft Kunst, der Kunsthändler verkauft Kunst. Der Händler sagt eben, dass er Kunst verkauft“, scherzt Alexander Giese, der auf der „Astoria Artshow“ zeitgenössische Keramiken von Elmar Trenkwalder anbietet, sonst aber auch mit Gemälden des 19. Jahrhunderts handelt. 

Wie viele der Akteure des derzeitigen Geschehens ist er einer jener Player, die in zweiter Generation im Geschäft sind – und neben dem Auftrag zum Neuanfang auch noch eine Unternehmensgeschichte mit etablierten Künstlern und Kunden weiterzuführen haben.

Dass die Kunst der Boomer-Generation ein Klotz am Bein der Nachfolger werden könnte, glaubt Silvia Steinek aber nicht. 

Die Galeristin, die ihr Geschäft in der Wiener Eschenbachgasse jüngst an ihre Nichte Isabell Kisling-Steinek übergab, begrüßt, dass sich die Generation neue Räume erschließt. Der Markt mit der Kunst der Väter und Mütter würde sich selbst regulieren, sagt Steinek. „Es ist natürlich bitter, wenn Leute, die man sehr schätzt, ihren Preis verlieren“, gibt sie zu.

Locker im Umgang

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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