
Man nennt es auch das „Tor der Tränen“, gemeint ist die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden beziehungsweise dem Indischen Ozean verbindet. Bab al-Mandab stellt neben der seit Monaten blockierten Straße von Hormus im Persischen Golf das zweite Nadelöhr im globalen Handel mit Öl und Gas dar.
Werden in Friedenszeiten rund 20 Prozent der weltweit verschifften Mengen der Energieträger durch die Straße vor Hormus transportiert, sind es noch einmal gut zwölf Prozent, die durch Bab al-Mandab auf Supertankern geführt werden. Durch die Blockade von Hormus hat die Bedeutung des Tors der Tränen noch einmal stark zugenommen, speziell weil die Saudis ihr Öl nun von den Förderstätten im Osten über eine Inlandspipeline zu ihren Verladehäfen an der Westküste der arabischen Halbinsel pumpen und ihre Schiffe dann Richtung Süden durch Bab al-Mandab hindurch zu den Öl-Käufern in Asien – Indien, China – bringen.
Jetzt schüren die jüngsten militärischen Erfolge der Huthi-Miliz im Jemen weltweit die Angst vor einer neuen Energiekrise. Konkret haben die Huthis die wichtige Hafenstadt Mokka, nur noch rund 80 km von Bab al-Mandab entfernt, eingenommen und kommen damit ihrem Ziel näher, die Meerenge zu blockieren. Die mit dem Iran verbündete Miliz will dadurch den Druck auf die USA und ihre Verbündeten erhöhen, im Krieg mit Teheran einzulenken.
Sollte es den Huthis gelingen, die Meerenge komplett zu blockieren oder Schiffe flächendeckend unter Beschuss zu nehmen, müssten Tanker den langen und extrem kostspieligen Umweg durch den Suez-Kanal und in weiterer Folge um Afrika (Kap der Guten Hoffnung) herum nehmen. Experten warnen in diesem Fall vor drastisch steigenden Energiepreisen auf dem Weltmarkt.
Am Freitag wurde bekannt, dass die Huthis neben der Stadt Mokka auch die unter dem Namen Perim bekannte Insel Mayyun mit Booten erreicht hätten. Es gibt auch Berichte über die Einnahme des Küstenortes Dhubab. Dieser gilt gemeinsam mit der Insel als Schlüssel zur Blockade der Meerenge.
Die direkten Folgen sind schon jetzt zu sehen. Die Rohölpreise notieren erstmals seit Mai wieder deutlich über der Marke von 100 Dollar. Die Erdgaspreise steigen ebenfalls, sie werden zusätzlich durch den Krieg in der Ukraine angefacht, weil Europa nun teures Flüssiggas etwa aus den USA importieren muss. In den Vereinigten Staaten kostet die Gallone (rund 3,8 Liter) Diesel erstmals über sechs Dollar, was im Wahlkampf zu den Zwischenwahlen Anfang November ein großes Thema ist. Die steigenden Lebenshaltungskosten könnten den Republikanern empfindliche Wahlverluste bescheren.
Source:: Kurier.at – Politik



