Rheinmetall: Warum der Rüstungskonzern auf Wien setzt

Wirtschaft

Wenn Rheinmetal-CEO Armin Papperger einen Fabriksbesuch abstattet, ist viel los. Sicherheitsclearings, die Spezialeinheit Cobra rückt aus, das Werk in Wien-Liesing ist rundherum polizeibewacht. Sogar eine sehr kleine Demo hat es vor das Werk geschafft: „Busse statt Panzer“ steht auf einem Transparent.

Der Grund des Aufgebots ist der hohe Besuch von CEO, Bundeskanzler, Wirtschaftsminister und dem designierten Bundesheer-Generalstabschef Harald Vodosek: Der Standort des Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV) mit 1.500 Beschäftigten ist das größte Produktionswerk für militärische Logistikfahrzeuge in Europa. Aus dieser Fertigungsstätte für militärische Lkw rollen täglich rund 15 Fahrzeuge, aktuell 3.000 bis 3.500 pro Jahr. In den vergangenen Jahren wurden 50 Millionen Euro investiert, jetzt baut man weiter aus. Die Mitarbeiterzahl soll auf zumindest 1.700 wachsen, je nach Nachfrage könnte man bis zu 4.500 Fahrzeugen pro Jahr produzieren. Trotzdem bleibt so ein Werk mehr Manufaktur als Serienproduktion: „Jedes Fahrzeug ist anders und hat andere Anforderungen. Da ist Handarbeit“, erklärt Papperger. Zu den mehr als 50 Kundenländern zählen neben Deutschland und Österreich etwa Großbritannien, Australien, Norwegen, Schweden, Singapur.

Papperger, der bekannteste deutsche Rüstungs-CEO, ist voll des Lobes für das Werk in Wien-Liesing, in dem seit 120 produziert wird (damals Gräf & Stift Automobilfabrik). „1,5 Milliarden Euro setzen wir hier aktuell um, das werden wir demnächst auf zwei Milliarden Euro steigern“, sagt er selbstbewusst. Dem Werk bescheinigt er „eine tolle Zukunft, wir sind an großen Aufträgen dran“, so der CEO vor der versammelten Belegschaft. Was er hier am Standort Wien findet: „Know-how und Fachkräfte, die das können“.

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Starkes Wachstum

Dass die Rüstungsindustrie aktuell starkes Wachstum und vermehrte Nachfrage verzeichnet, ist hier überall spürbar. Es herrscht positive Aufbruchstimmung. Man sucht Mitarbeiter, man baut aus. Defence ist das Zauberwort der europäischen Wirtschaft. Auch Bundeskanzler Christian Stocker betont die Wichtigkeit der Verteidigungsfähigkeit Europas. „Sicherheit ist eine entscheidende Frage geworden. Europa und Österreich müssen wieder stärker für sich selbst sorgen. Ein Europa, das sich nicht selbst versorgen kann und das nicht mehr selbst produziert, verliert“.

Wichtig ist dem Kanzler nicht nur, dass mehr Geld für Verteidigung ausgegeben wird, sondern auch, wo dieses Geld Wertschöpfung schafft. „Hier wird ein Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit des Landes geleistet und zugleich Wertschöpfung und Beschäftigung geschaffen“. Papperger betont: „600 bis 700 Millionen Euro geben wir hier am Standort an Aufträgen in die österreichische Wirtschaft weiter“.

Fokus auf „Defence“

Mehr Geld für Aufrüstung und Verteidigung in Europa: 300 Milliarden Euro haben die EU-27 im Jahr 2024 dafür ausgegeben. 2025 seien es rund 400 Milliarden gewesen. Pappergers Rheinmetall fokussiert deshalb seine Geschäftsfelder rein auf den Rüstungsbereich – und veräußerte die Sparte Automotive komplett. Ein Schwenk in der Unternehmensführung, der auch kritisch gesehen wird. Im Interview sagt der CEO dazu: „Als Unternehmer muss man klare Entscheidungen treffen. Der automobile Bereich in Europa expandiert nicht mehr, sondern geht zurück. Das kommt auch in den nächsten 15 Jahren nicht mehr retour.“ Auf der anderen Seite hat man Sicherheitsgüter, die ein Wachstum von 30, 40 Prozent pro Jahr haben. Kapital ist endlich und wir müssen dort investieren, wo wir wachsen können. Deshalb der eindeutige Fokus auf Defense“, so Papperger.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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