Der Weltpräsident ist ein Kamel: Hubschrauberquartett und Stockhausen an Deutscher Oper

Kultur

Draußen hängen Wahlplakate, denn am Sonntag nach der Premiere wurde gewählt. Auch in „Mittwoch aus Licht“ aus Karlheinz Stockhausens Opernzyklus „Licht“ steht eine Wahl an, die des Präsidenten des Weltparlaments. Der Dirigent Maxime Pascal trat damit sein Amt als Special Guest Conductor an der Deutschen Oper Berlin an und landete nur wenige Wochen nach seinem Triumph mit „Saint François d’Assise“ von Olivier Messiaen bei den Salzburger Festspielen seinen nächsten Coup.

Fast viereinhalb Stunden elektrisierende Klänge ohne fix platziertes Orchester im Graben, sondern mit Musikern, die sich frei bewegen und im Ensemble mitwirken. Seit 15 Jahren beschäftigt sich der 1985 in Nantes geborene Franzose mit Stockhausens gigantischem „Licht“-Zyklus. Dessen sieben Teile ergeben 29 Stunden Oper, die im besten Wortsinn ein Gesamtkunstwerk ist. Denn Stockhausen hat alles selbst entworfen: nicht nur die Klänge, sondern auch den kryptischen Text und das szenische Geschehen. Jeder Teil des Zyklus steht für einen Wochentag, an dem die großen Fragen der Menschheit abgehandelt werden.

Großes Sound-Kino

Drei biblische Figuren, Eva, der Erzengel Michael und Luzifer, sind das Kernpersonal des Zyklus. In „Mittwoch“ werden sie von Instrumenten dargestellt. Elektronische Klänge in den Foyers umrahmen den „Tag“ als „Gruß“ und „Abschied“. Regisseurin Susanne Kennedy und Markus Selge (Bühne) wenden ein ähnliches Konzept wie bei ihrem „Parsifal“ an, der bei den Wiener Festwochen von vielen abgelehnt wurde. Was bei Wagner nicht funktioniert hat, entfaltet sich hier zu einem großen Sound-Kino. Selges fantasievolle Projektionen sind präzise auf die Partitur abgestimmt. Man taucht in diesen Klang-Kosmos, der wie aus einer „weit, weit entfernten Galaxie“ überwältigt. Denn Kennedy vereint Archaisches mit einer Science-Fiction-Ästhetik, die an die frühen „Star Wars“-Filme erinnert. Man könnte anmerken, dass Kennedy etwas zu viel entschlüsselt und die Videos optisch überfordern, aber das alles hebt Stockhausens Bezug zum Weltall hervor. Denn er behauptete, er sei am Planeten Sirius ausgebildet worden. Im dritten Teil wird das Kamel Luzikamel zum Präsidenten gewählt, weil es Kurzwellen aus dem All übersetzen kann.

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Eine gigantische Skulptur, die wie das aufgespannte Messgewand eines Priesters aussieht, dient als Projektionsfläche, auch für das „Helikopter-Quartett“, das vor der Premiere gefilmt wurde. Ein Streichquartett wird dabei auf vier Hubschrauber aufgeteilt. Die Saitenklänge und die Geräusche der Maschinen und Rotoren ergeben ein furioses Klangbild. Alle in Pascals Ensemble Le Balcon musizieren erstklassig. Sublim ist der Chor geführt, glänzend die solistischen Einsätze. Einziger Einwand: es ist bedauerlich, dass diese Produktion nicht in Österreich zu sehen ist, aber das könnten die Wiener Festwochen am besten ändern.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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