Peter de Caluwe: „Ich will sehen, was hinter der Mauer ist“

Kultur

Eine „glanzlose Entscheidung“, wie „Die Presse“ bemäkelte? Wohl kaum. Peter de Caluwe gab dem KURIER nach der Designierung zum Intendanten der Salzburger Festspiele ab dem Herbst 2027 dieses Interview.

KURIER: 2025 ist Ihr Vertrag an der Brüsseler Oper, am Théâtre Royal de la Monnaie, ausgelaufen. Seither arbeiten Sie für die Europäische Kulturhauptstadt 2030?

Peter de Caluwe: Ich bin der General Manager. Die Stadt Löwen hat den Titel mit partizipativen, inklusiven Projekten gewonnen. Jetzt geht es darum, diese Idee zu realisieren. Das ist keine leichte Aufgabe. Denn es ist wichtig, dass die Mitarbeiterinnen, die das Projekt erdacht haben, an Bord bleiben, auch wenn sie nicht die Kompetenzen haben, die normalerweise in den Ausschreibungen verlangt werden. Es geht also darum, diese Leute zu empowern.

Die Umsetzung hat erst begonnen – und schon verlassen Sie Löwen …

Dort ist meine Bestellung natürlich nicht nur positiv angekommen, auch wenn sie sich für mich gefreut haben. Es hat ein Teammitglied interimistisch die Leitung übernommen, damit ich ausfaden kann. Und es war klar: Wenn ich das Angebot von Salzburg bekomme, sage ich nicht „Nein“. Das ist der Job, den ich immer am Horizont gesehen habe. Ich habe mich zweimal beworben, ich bin es nicht geworden. Ich war nicht unglücklich, ich habe in Brüssel intensiv weitergearbeitet. Ich bringe nun viel nach Salzburg mit – auch von meiner Arbeit in Löwen. Zum Beispiel: Wie könnte in zehn Jahren eine Zusammenarbeit im sozio-kulturellen Bereich ausschauen?

Sie kamen Anfang der 1980er zum ersten Mal nach Salzburg. Warum?

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Ich wollte meinen Partner hintereinander Verdi, Wagner und Mozart entdecken lassen. Wir sind daher nach Bussetto gefahren, nach Bayreuth und nach Salzburg. Dort kam jemand in Livree auf mich zu und sagte: „Möchten Sie eine Karte?“ Und so habe ich „Le Nozze di Figaro“ in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle gesehen. Es war überwältigend.

War der „Figaro“ auch ein Grund, warum Sie Mozart-Fan sind?

Nein, das war ich schon davor. Von der Da-Ponte-Trias ist „Così fan tutte“ wahrscheinlich die schwierigste Oper, aber sie war immer mein Favorit, weil sie sich zeitlos mit den menschlichen Beziehungen beschäftigt. Das hat man auch heuer im Sommer gesehen in der Inszenierung von Christof Loy: Mozart kann man immer neu hören und neu sehen und neu erleben. Das gilt nicht für alle Komponisten, manche sind sehr an ihre Zeit gebunden. Das ist auch ein Grund, warum mich Salzburg immer gereizt hat: weil es hier eine Mozart-Pflege gibt und auch eine Verantwortung gegenüber Mozart. Das fließt jetzt in meine Überlegungen ein: Wie können wir eine neue Sicht auf Mozart und seine Stoffe ermöglichen? Damit man Mozart so erlebt, als ob er heute zu uns spräche. Das ist Loy sehr gut geglückt, die „Così“ war fantastisch.

Nach dem „Figaro“ kamen Sie regelmäßig zu den Festspielen?

Ich kam zumindest jedes zweite Jahr nach Salzburg. Denn hier wird Außerordentliches möglich.

Und mit der Zeit wuchs das Interesse, Intendant zu werden?

2014 gab es in der Endphase drei Personen, und da war ganz klar, dass Markus Hinterhäuser es wird. Er kam, wie ich, aus der Gerard-Mortier-Schule, er lebte in Salzburg, seine ganze Welt war hier. …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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