
Der heimische Arbeitsmarkt ist laut Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich nach wie vor in Frauen- und Männerberufe geteilt. Im Gesundheits- und Sozialwesen seien drei Viertel der Beschäftigten Frauen, in der öffentlichen Verwaltung liege ihr Anteil bei 63 Prozent, im Unterrichtswesen bei 60 Prozent und im Handel bei 54 Prozent.
Das geht aus einer AK-Analyse hervor. Die Berufswahl wirke sich „auf Karrierechancen, Einkommen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus“.
Die Arbeiterkammer OÖ wertete im Rahmen des Arbeitsklima-Index Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger zu „typischen“ Frauen- und Männerberufen aus: 87 Prozent der Beschäftigten am Bau sind Männer. Im Bergbau liegt der Männeranteil bei 86 Prozent und im Bereich Abfallwirtschaft und Wasserversorgung bei 78 Prozent. Auch im Verkehrswesen und in technischen Berufen seien Männer überdurchschnittlich vertreten.
Zwei Drittel der Lehrlinge männlich
Auch bei der Berufsausbildung gibt es große Geschlechtsunterschiede: Von rund 101.000 Lehrlingen in Ausbildungsbetrieben waren im Jahr 2024 laut AK rund 33.000 weiblich. Besonders groß ist der Unterschied in einzelnen Ausbildungsbereichen: Im Bereich Sekretariats- und Büroarbeit waren zuletzt 78 Prozent der Lehrlinge weiblich, im Groß- und Einzelhandel waren es 62 Prozent.
Bei der Lehrausbildung im Bereich Maschinenbau und Metallverarbeitung betrug der Frauenanteil hingegen nur zwölf Prozent, im Baugewerbe waren es acht Prozent, bei Elektrizität und Energie sechs Prozent.
Auch beim beruflichen Aufstieg ortet die Arbeiterkammer „deutliche Unterschiede“ zwischen Frauen und Männern. Insgesamt haben 19 Prozent der männlichen Beschäftigten eine leitende Funktion, bei den Frauen sind es nur elf Prozent, geht aus dem Arbeitsklima-Index der AK OÖ hervor. Der Index beruht auf Umfragen der Wiener Sozialforschungsinstitute IFES und FORESIGHT unter Beschäftigten in Österreich und umfasst eine repräsentative Stichprobe von 4.000 Befragten pro Jahr.
Der Arbeitsklima-Index wird im Auftrag der Arbeiterkammer seit dem Frühjahr 1997 zweimal jährlich berechnet und veröffentlicht. Zusätzlich gibt es Sonderauswertungen.
Öfter Geldsorgen bei weiblichen Beschäftigten
Neun Prozent der befragten weiblichen Beschäftigten gaben an, dass ihr Einkommen nicht zum Leben ausreicht. Bei den Männern sind es nur fünf Prozent. Teilzeitarbeit erschwert laut AK-Befragung das finanzielle Auskommen. Bei einer Wochenarbeitszeit von weniger als 20 Stunden kommen 24 Prozent der befragten Frauen mit ihrem Einkommen nicht aus. Bei einer Arbeitszeit von 35 Stunden oder mehr reduziert sich dieser Anteil auf fünf Prozent.
„Wenn Frauen wegen fehlender Kinderbetreuung ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufslaufbahn unterbrechen müssen, hat das Folgen für ihr Einkommen, ihre Karriere und später auch für ihre Pension“, so AK-OÖ-Chef Andreas Stangl.
Die Arbeiterkammer fordert schon seit langem „eine flächendeckende, kostenlose, ganzjährige und ganztägige Kinderbetreuung, die sich an den tatsächlichen Arbeitszeiten der Eltern orientiert“. Erst dadurch schaffe man „die Voraussetzungen dafür, dass Frauen und Männer am Arbeitsmarkt die gleichen Chancen haben.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



