
Wie aufregend Mozarts Spätwerk tatsächlich ist, konnte man immer wieder in Salzburg erleben. Einmal vor 20 Jahren mit Nikolaus Harnoncourt am Pult. Dann mit Teodor Currentzis in der aufwühlenden Regie von Peter Sellars und zuletzt in Cecilia Bartolis furioser Produktion der Pfingstfestspiele, wo Robert Carsen diese Oper als fulminanten Polit-Thriller zeigte. Also keine Ausreden auf das Werk.
An der Wiener Staatsoper reduzierte Jan Lauwers die Geschichte des milden römischen Kaisers auf einem quadratischen, schräg gestellten Parkettboden auf ein Tanz- und Turntheater. Auf das Gesangs-Ensemble nimmt er keine Rücksicht. Zum milden Kaiser fiel ihm nur ein, dass er nach dem Attentat im Rollstuhl sitzen muss, anstatt wie vorher einfach statisch seinen Part abzuliefern.
Titeldarsteller Katleho Mokhoabane hat sich seit der Premiere gesteigert. Jetzt lässt er etwas von der Geschmeidigkeit seines Tenors und seinem hellen Timbre hören. Kate Lindsey wird als Sesto von der Regie arg hergenommen. Von ihrem sonst ausdrucksstarken Mezzosopran war in der ersten Vorstellung der Wiederaufnahme nur wenig zu hören. Hannah-Elisabeth Müller schöpft als Vitellia aus dem Vollen ihrer Sopranstimme. Slávka Zámečníková drückt jede Emotion der Vitellia mit ihrer Stimme aus. Ihr Sopran verfügt über ein breites Klangfarbenspektrum und Kraft.
Patricia Nolz bringt nicht nur vokalen Drive auf diesen Tanzboden. Sie punktet mit ihrem golden timbrierten Mezzo und widersetzt sich der Regie mit eindrucksvoller Bühnenpräsenz. Dirigent Cornelius Meister konzentriert sich auf seine Kapellmeisterqualitäten. Sein Esprit zu Beginn verwandelt sich in Glätte. In den Applaus mischte sich ein aggressiver, wahrscheinlich verirrter, Buhruf.
Source:: Kurier.at – Kultur



