Aktionswahn im Supermarkt: Was die Rabatte den Kunden bringen

Wirtschaft

Von Rabattpickerl bis zur Tiefpreisgarantie: Österreichs Lebensmittelhandel liefert sich einen harten Kampf um die günstigsten Preise. Und sie lassen sich dabei immer neue Ideen einfallen.

So ändert etwa der Rewe-Konzern ab 24. September seine Pickerlpolitik. Aus den Billa-Rabattpickerl werden Coupons zum Abreißen. Damit gibt es 25 Prozent Rabatt auf bis zu drei Produkte, der Nachlass wird automatisch an der Kassa abgezogen. Für die Kunden sei das eine Vereinfachung, sagt Rewe-Sprecher Paul Pöttschacher zum KURIER. Dass die Pickerl von manchen Kunden nach dem Einkauf abgelöst und beim nächsten Mal erneut verwendet wurden, wird damit allerdings unmöglich. Pöttschacher sieht darin keine Verschlechterung für die Kunden: „Das war auch bei den Pickerl nie so vorgesehen, dass diese mehrfach verwendet werden.“

Jeder dritte Euro wird für Aktionsware ausgegeben

Dass die Österreicher besonders stark auf Aktionen reagieren, zeigen die Zahlen der AMA-Marketing. Demnach entfällt jeder dritte Euro, der im Lebensmittelhandel für Produkte wie Milch, Eier, Fleisch, Obst, Gemüse oder Gebäck ausgegeben wird, auf Aktionsware. Andere Produktgruppen wie Bier oder Waschmittel liegen Schätzungen zufolge bei einem Anteil von rund 80 Prozent.

Die Rabattjagd ist damit längst Teil des normalen Einkaufsverhaltens geworden. Dass dahinter nicht einfach nur Geiz steckt, erklärt Christoph Teller, Professor an der Johannes Kepler Universität Linz. Gerade in Krisenzeiten können Konsumenten verstärkt das Gefühl haben, die Kontrolle über ihre Ausgaben zu verlieren. „Durch Aktionen und Rabattpickerl können sie zumindest einen Teil dieser Kontrolle wiedererlangen.“

Die vermeintliche Ersparnis hat allerdings ihren Preis. Wer verschiedene Flugblätter studiert, Apps und Coupons nutzt, Produkte vergleicht und mehrere Geschäfte ansteuert, investiert Zeit und Aufwand. Hinzu kommt: Nicht immer bleibt es beim geplanten Aktionskauf. Während Diskonter vor allem mit dauerhaft niedrigen Preisen arbeiten, setzen Supermärkte stärker auf einen Mix aus regulär höheren Preisen und zeitlich begrenzten Rabatten. Die geringeren Einnahmen bei Aktionsartikeln können dadurch ausgeglichen werden, dass Kunden weitere, nicht reduzierte Produkte kaufen.

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Aktionen führen zu künstlichen Nachfragespitzen

Auch für die Händler und Lieferanten hat der Aktionswettbewerb Nebenwirkungen. Durch besonders günstige Angebote können kurzfristig erhebliche Nachfragespitzen entstehen. „Diese sind wiederum mit Kosten verbunden“, sagt Teller. Die gesamte Lieferkette müsse auf die Schwankungen reagieren.

Für die Hersteller bedeutet die hohe Aktionsquote zusätzlichen Preisdruck. Teilweise müssen sie sich an den Kosten der Aktionen beteiligen, wenn sie nicht riskieren wollen, aus dem Sortiment genommen zu werden. Gleichzeitig gewinnen Eigenmarken der Handelsketten an Bedeutung. Auf sie entfallen mittlerweile rund zwei Drittel der Ausgaben im Supermarkt und Diskonter.

„Die große Marktmacht der Lebensmittelhändler führt zu Marktdruck bei den Produzenten“, sagt Josef Domschitz, stellvertretender Geschäftsführer im WKÖ-Fachverband der Lebensmittelindustrie. Denn diese müssten die Kosten für die Aktionen teils mittragen, wenn sie keine Auslistung riskieren wollen. Ein Überleben nur mit dem Geschäft in Österreich werde so immer schwieriger. „Deshalb bauen sich viele Produzenten Exportmärkte auf in Ländern mit einem geringeren Aktionsanteil“, so Domschitz.

Ein Ende der Rabattflut ist unrealistisch

Trotz der Nachteile hält Teller ein Ende der Rabattflut für unrealistisch. „Die Konsumenten haben sich über Jahrzehnte an diese Aktionsmechanismen gewöhnt. Aktionen sind inzwischen Teil ihrer Preiserwartung“, so der Handelsexperte.

Grund für den hohen Aktionsanteil ist der Wettbewerbs durch die hohe Konzentration im heimischen Lebensmittelhandel. Rewe, Spar, Hofer und Lidl …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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