So ist „Bruno – Der junge Kreisky“ von Harald Sicheritz

Kultur

Von Gabriele Flossmann

Der ehemalige Kanzler Bruno Kreisky hat Österreich modernisiert und international bekannt gemacht. Er war mit Willy Brandt befreundet – und zu seiner Beerdigung kam PLO-Chef Arafat. Angesichts der heutigen politischen Weltlage – die Kriege im Nahen Osten, die Stimmenverluste sozialdemokratischer Parteien in ganz Europa – haben dazu geführt, dass der Name „Bruno Kreisky“ wieder in aller Munde ist. Gerade in Österreich wird jeder, der die SPÖ-Parteiführung innehat oder danach schielt, wird an ihm gemessen. Kein Wunder also, dass ihn Harald Sicheritz nun auch zu einem „Filmhelden“ macht. 

Dass der österreichische Regisseur in Schweden geboren wurde, war vielleicht ein zusätzlicher Anreiz für sein Interesse an Kreisky – war doch dieser nach Schweden emigriert, nachdem er zwei Tage nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland in „Schutzhaft“ genommen wurde – unter der Auflage, das Land sofort zu verlassen. In Schweden begegnete er dem gleichfalls aus Nazi-Deutschland vertriebenen Willy Brandt.

Dies alles kommt allerdings in Sicheritz’ Film nicht vor. Vielmehr versucht er zu ergründen, wie und warum sich der in einem großbürgerlich-jüdischen Milieu großgewordene Kreisky dem Sozialismus zuwandte. Historische Ereignisse, die ihn prägen, waren der Brand des Justizpalastes 1927 und der „Sozialistenprozess“ 1936, als Höhepunkt der Verfolgung der illegalen Arbeiterbewegung zur Zeit des Austrofaschismus. Neben Einblicken ins Wiener Gesellschaftsleben der 1920er- und 30er-Jahre zeigt der Film auch, wie Freundschaften und die politische Lage Europas den späteren österreichischen Bundeskanzler prägten.

Die Schauspieler – vor allem Maya Unger als Jung-Brunos Love-Interest – tun ihr Bestes, um den damaligen Zeitgeist spürbar zu machen. Um zu vermitteln, welches politische Potential in dem stets geschniegelt auftretenden jungen Kreisky steckte, bleibt sein Darsteller Nils Arztmann zu blass. Wie Kreisky zum österreichischen Langzeit-Kanzler werden konnte, der – erstmals in der zweiten Republik – alle anderen Parteien auf die Oppositionsbank drückte, hätte man auch noch gerne gesehen. Vielleicht ja in einem nächsten Film.

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INFO: Österreich/Deutschland 2026. 116 min. Von Harald Sicheritz. Mit Nils Arztmann, Maya Unger, Soi Schüssler, Noah L. Perktold, Simon Morzé.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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