
„Wir sind hier, an Bord eines Flugzeugs, und haben gerade die Terroristen überwältigt. Wir nähern uns der Landung“, sagt der Mann im Video. Sein T-Shirt ist blutbefleckt, er ist völlig außer sich.
Wer am Dienstag Videos des Flugs FZ1073 in den sozialen Medien verfolgt hatte, der erlebte live jenen Albtraum, vor dem sich wohl fast jeder Passagier fürchtet: Ein Flugzeug, das binnen Minuten Tausende Meter an Höhe verlor, Panik unter den Passagieren, schreiende Kinder. Dazu Selfie-Videos von Passagieren, die von einem Streit im Cockpit sprachen, von einer Messerattacke – und davon, wie Fluggäste den Angreifer außer Gefecht setzten.
„Niemand hatte Kontrolle“
Was sich auf Flug FZ1073 ereignete, wird die israelischen Behörden noch länger beschäftigen. Die Maschine der Airline Flydubai war auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv; 180 Israelis saßen an Bord, darunter auch viele Kinder; Dubai ist ein beliebtes Reiseziel für viele Israelis. Gut eine Stunde vor der geplanten Landung in Israel setzte die Boeing 737 aber plötzlich zu einem rapiden Sinkflug an: Fünf Kilometer Höhe pro Minute verlor das Flugzeug, setzte einen Alarmcode ab, gefolgt von einem Entführungssignal.
Hört man den Passagieren zu, müssen sich an Bord turbulente Szenen abgespielt haben. Eine Frau an Bord erzählte der Zeitung Haaretz, sie und einige andere hätten bemerkt, dass im Cockpit etwas nicht stimme: „Wir hatten das Gefühl, dass niemand die Kontrolle über die Maschine hat.“ Danach habe die Runde gemacht, dass einer der Piloten vom anderen niedergestochen worden sei, Messerstecherei-Rufe seien durch die Maschine gehallt, Panik habe sich breitgemacht. „Dann brachen ein paar Männer ins Cockpit ein, überwältigten den Terroristen und behandelten den verletzten Piloten. Drei, vier Passagiere retteten 180“, so die Frau.
Motiv noch unklar
Warum der eine Pilot den anderen attackiert hatte, ist bis dato nicht ausreichend geklärt. Der Mann wurde jedenfalls nach der Notlandung der Maschine in Saudi-Arabien verhaftet, involviert sind in die Ermittlungen auch die Geheimdienste Mossad und Shin Bet. Der Angreifer soll ersten Berichten zufolge ein omanischer Staatsbürger sein; mit dem arabischen Staat hat Israel keinerlei diplomatische Beziehungen. Der Attackierte ist dem Vernehmen nach kein Israeli, sondern stammt aus Indien.
Die israelische Regierung, die bereits kurz nach Meldung des Alarmcodes Kampfjets aufsteigen hatte lassen, lässt jedenfalls in alle Richtungen ermitteln. Ein versuchter Mitnahmesuizid wie bei der Germanwings-Maschine 2015 scheint ebenso möglich wie ein vereitelter Terroranschlag. Letzteres erscheint den Verantwortlichen in Jerusalem aber offenbar plausibler. Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir, der um harsche Worte nie verlegen ist, sprach von einem „Terroristen“, der zum Ziel hatte, die „180 Israelis an Bord zu ermorden“. Auch Passagiere sagten Ähnliches nach der Landung: „Es fühlte sich an wie der 11. September.“
Wie vor Jahrzehnten
Gänzlich unerwartet käme so eine Attacke jedenfalls nicht. Die israelische Airline El Al hat schon seit Beginn des Irankriegs alle Flüge nach Dubai eingestellt, nicht nur wegen der Lage vor Ort, sondern auch wegen möglicher Anschläge durch den Iran und seine Proxys. Mit solchen hat Israel schließlich viel Erfahrung: Ab den 1960ern entführten Terroristen mehrfach israelische Maschinen oder Flugzeuge mit vielen Israelis an Bord, darunter war 1972 auch ein Flug von Wien nach Tel Aviv. …read more
Source:: Kurier.at – Politik



