Scheidung als sarkastischer Justizthriller: die Serie „War“

Kultur

Howard Morgan (Dominic West) ist einer dieser Männer, die alles haben. Ein millionenschweres Social-Media-Unternehmen, Anerkennung durch Preise, Immobilien in London, New York und der Normandie und eine schöne Ehefrau. Aber Howard Morgan gehört auch zu diesen Männern, die immer noch mehr wollen. Mehr bzw. andere Frauen zum Beispiel. Und weil seine Angetraute, die Schauspielerin Carla (Sienna Miller), das ahnt, stellt sie ihm mithilfe einer Freundin eine Falle. In die der berechenbar triebgesteuerte Gatte natürlich tappt – inklusive postkoitalem Beweisselfie aus dem Bett.

Die Anwälte von Carla fanden das von Anfang an keine so gute Idee. Aber nun ist es halt geschehen und die Aussicht, den größten Scheidungsfall Englands zu verhandeln, ist dann doch recht verlockend. Also ist die Antwort auf Carlas Order: „Sie übernehmen jetzt diesen Fall und sie nehmen ihm jeden verdammten Penny ab, den er hat und er hat eine Menge“ zwar ein verhaltenes, aber doch ein Ja.

Zu dem Zeitpunkt glauben Carla und ihr Rechtsbeistand noch, dass sie das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben. Howard weiß schließlich nicht, dass er selig büselnd in verräterischer Position abgelichtet wurde. Aber hier zeigt sich – zumindest für Howard – dass Printmedien noch nicht ganz nutzlos sind. Denn sein Anwalt hat ein Paparazzo-Foto von Carla entdeckt und darauf im Hintergrund ihre Anwälte erkannt.

Und deswegen wird das nichts mit dem unerwarteten Mail mit Scheidungspapieren an Howard – denn nur wenige Stunden davor werden sie Carla ihrerseits in die Hand gedrückt – perfiderweise auf dem Roten Teppich zu ihrer eigenen Filmpremiere.

  DreamWorks' „Forgotten Island“: Unfreiwillige Reise auf die Insel

Tricks und Sarkasmus

Das ist der Startschuss zu einem Rosenkrieg, der nur so strotzt vor juristischen Tricks, gut platzierten Lügen, gespielten Zusicherungen, aber auch geschliffenen Dialogen, sarkastischen Spitzen und überhaupt sehr schnellem und messerscharfem Humor. Zum Beispiel, wenn einer von Howards Anwälten auf den Vorschlag der Gegenseite, Carla solle eine Apanage erhalten bis ihr Ex-Mann 75 ist, seinen Mandanten fragt, wie hoch er die Chance einschätzt, überhaupt 75 zu werden.

Dass die Serie „War“ wie ein Gerichtsthriller anmutet, liegt auch daran, dass sich hier eine Kanzlei einen Maulwurf in der anderen Kanzlei gönnt. Was für die oder andere gemeine Wendung sorgt. Und dass es sich um einen jungen amerikanischen Juristen, der, wie man anfangs erfährt, „es in New York vergeigt hat“, handelt, macht es zudem spannend. „War“ wird zu Recht als eine der besten Serien dieses Jahres gefeiert.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.