
Der heimische Modehandel steht wegen hoher Kosten, Bürokratie und internationaler Onlinekonkurrenz unter Druck. Ernst Mayr, Chef der heimischen Modekette Fussl, fordert Entbürokratisierung und mehr Fairness.
KURIER: Viele Händler beklagen seit mehreren Jahren schwierige Zeiten. Wie schlecht geht es dem österreichischen Handel wirklich?
Ernst Mayr: Das Geschäft wandert seit Jahren ins Internet ab. Damit verliert der österreichische Handel Umsätze an Plattformen im Ausland, die sich oftmals nicht an die geltenden Regeln und Gesetze halten. Dieser Trend verstärkt sich. Ich glaube, dass der Handel generell schwierige Zeiten vor sich hat. Wir selbst hatten in den letzten Jahren immer ein Wachstum über der Inflationsrate – auch in den bestehenden Geschäften – und dieses Jahr erstmalig ein Nullwachstum. Das ist nicht erfreulich, aber auch nicht schlimm, weil wir auf einem guten Niveau sind.
Welche ist aktuell die größte Herausforderung für Fussl am heimischen Standort?
Wir hatten Gehaltserhöhungen von 38 Prozent in den Jahren zwischen 2019 und 2025. Das ist gewaltig und geht an einem Unternehmen nicht spurlos vorbei. Aber es ist auch klar: Wir haben hohe Lohnnebenkosten, weil wir einen sehr sozialen Staat haben. Uns geht es allen sehr gut. Wir haben eine gute Ausbildung, schöne Universitäten und ein Gesundheitssystem auf hohem Niveau. Das kostet Geld. Wir müssen uns fragen, wie wir uns das auch in Zukunft noch leisten können.
Konnten Sie die gestiegenen Personalkosten irgendwie ausgleichen?
Nicht durch Preiserhöhungen. Die Preise für unsere Produkte sind gleich geblieben. Aber die Produktivität unserer Mitarbeiter ist um circa 25 Prozent gestiegen. Wir haben auch verschiedene Kontrollprozesse gestrichen.
Finden Sie genug Personal?
Wir haben damit weniger Probleme als noch vor drei Jahren. Es gibt aber immer noch zu wenig Arbeitskräfte. Je größer die Stadt, desto schwieriger ist es. Wir schaffen es aber immer wieder, die Vorteile des Arbeitens im Handel zu betonen, um genügend Mitarbeiter zu finden. Meist haben wir Parkplätze für Mitarbeiter und mitarbeiterfreundliche Arbeitszeiten.
Ist diese Entwicklung auf die Rahmenbedingungen in Österreich und Europa zurückzuführen?
Das ist ein genereller Trend, aber höhere Arbeitskosten erhöhen den Druck. In unserem Betrieb ist ein gewisser Anteil für Personalkosten reserviert, der für andere Ausgaben fehlt.
Erwarten Sie, dass der EU-Pauschalzoll auf Pakete aus Drittstaaten und die nationale Paketsteuer stationären Händlern tatsächlich helfen?
Mittelfristig hilft uns das. Unsere Preise sind höher als bei der Billigkonkurrenz, aber wir haben auch mehr Kosten, wir spielen fair und zahlen auch Steuern und Gebühren. Die Konkurrenz zu manchen Onlinehändlern ist wie ein Fußballspiel ohne Schiedsrichter – und das andere Team foult ständig. Diese Unfairness spüren auch die Kunden. Und dann wundern wir uns, wenn die politischen Ränder stärker werden. Dabei spürt man doch, dass da etwas nicht passt.
Sind die Kunden durch die chinesische Konkurrenz preissensibler geworden?
Der Druck ist da. Wir haben die Preise für unsere Produkte in den letzten 30 Jahren um weniger als zehn Prozent erhöht. Natürlich sind für uns auch Zölle weggefallen, und wir haben heute bessere Lieferanten als damals. Ansonsten wären wir schon pleite. Aber die Konsumenten geben ihr Geld heute für andere Dinge aus, wie Handys oder Digitalabos. Da müssen wir uns einfach mehr anstrengen.
Sie haben Unfairness angesprochen. Wie geht es Ihnen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



