So ist die „Minecraft Experience“ in Wien: Die Welt ist doch eckig

Kultur

Das Volk ist und bleibt ein undankbarer Haufen. Da hüpft man extra auf Äpfeln herum, um diese einzusammeln, hackt unter Einsatz seiner rechten Schulter Monster klein, rennt zwischen Metall und Holz und anderem Zeug herum, um Waffen und Werkzeuge zu schmieden, öffnet Schatzkisten und bringt rote Herzen zum Zerplatzen, nur um den Dorfbewohnern ein schönes Zuhause zu bieten.

Aber kaum wird es Nacht, verwandeln sich trotzdem alle in Zombies.

Und dann muss man sogar in die Unterwelt steigen und dort ein fliegendes Monster mit Schneebällen abschießen („Blaze“ heißt das, ruft das Kind, das man dankenswerterweise bei der Hand hat, um solche Sachen zu fragen), um die Einwohner wieder zu entzombifizieren.

Schnell die Welt retten

Nein, Ihr Rezensent hat nicht schlecht geschlafen. Das Geschilderte ist die Handlung der „Minecraft Experience“, die nun in der Metastadt in Wien jene vom Bildschirm weg- und in einen lustigen Bewegungsparcours hineinlocken will, die dem Kultgame verfallen sind.

Für die Uneingeweihten: „Minecraft“, das ist das allerbeste Argument, das Kinder haben, wenn sie die Eltern um mehr Bildschirmzeit anraunzen. Das Spiel mit seiner unverwechselbaren eckigen Block-Optik gilt gemeinhin als pädagogisch superwertvoll. Schau, MamaundPapa, da baut man Rohstoffe ab und beschäftigt sich damit, was man daraus machen kann, da lernt man etwas fürs Leben!

Man züchtet Tiere und sammelt Holz, schmiedet Waffen und schafft aus Erzen und Diamanten und Dingen mit komischen Namen neue Dinge, auch mit komischen Namen. Vor allem baut man Häuser und Dörfer und, wenn man sehr viel Zeit hat, ganze Städte. Und wenn dann die Zombieapokalypse ausbricht (siehe oben), dann braut man einen Wurftrank der Schwäche, um die Dorfbewohner wieder vom Zombiesein zu heilen. Man weiß ja nie, wann man dieses Wissen brauchen kann, hat aber so eine Ahnung, dass bald.

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Das Spiel hat keinen Anfang und kein Ende (obwohl, ruft das Kind, das auch wieder nicht stimmt, aber das lassen wir jetzt mal beiseite). Es ermöglicht freies, kreatives Spielen und damit das, was Pädagogen gerade noch zähneknirschend akzeptieren, wenn ein Bildschirm involviert ist, grummel.

Bildungsgefälle

In der „Minecraft Experience“ nun kommt noch Bewegung dazu: Man spielt in großen Räumen einzelne Stationen durch – und landet quasi mitten im Spiel: Auf die Wände werden Szenen und Figuren in Riesenbildern projiziert.

Mit einem Würfel („bei Minecraft ist das eine Kugel!“) kann man mit diesen Szenen interagieren: Man darf Äxte oder Pfeil und Bogen verwenden, Schweinen Gold schenken, damit sie einem den Weg verraten. Man kann ein Netherportal öffnen (was das genau ist, will das bei der Hand seiende Kind nicht beantworten, eventuell wird hier ein Bildungsgefälle genossen, das gewöhnlich andersherum ausfällt). Oder im Laufschritt Rohstoffe von A nach B tragen, um die Dinge zusammenzubauen, die man halt so braucht, wenn man Zombies in eckige Computerfiguren mit komischen Nasen zurückverwandeln will. Dass es in der rund einstündigen „Experience“ mehrfach auch darum geht, mit den anderen Teilnehmern zu kooperieren, können die begleitenden Eltern auf der pädagogischen Habenseite verbuchen: Unseren Kindern geht es ja mehr um das Gemeinsame als ums Gewinnen, deinen nicht?

In dem Irrglauben kann man die ruhig lassen. Die überraschend motivierte Schar an Presseleuten („bester …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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