Sehnsucht bei Kerzenschein: Neuverfilmung von „Sinn und Sinnlichkeit“

Kultur

Nicht nur Bücher werden zu Klassikern, auch ihre Verfilmungen. Wer einmal Ang Lees Leinwandversion von Jane Austens brillantem Erstlingsroman „Sinn und Sinnlichkeit“ gesehen hat, tut sich beim Vergleichen schwer. Besonders jene Szene, in der Emma Thompson, die übrigens für ihr Drehbuch den Oscar erhielt, schluchzend zusammenbricht, während Hugh Grant seine Liebeserklärung stammelt, hat sich tief ins romantische Kollektivbewusstsein eingeprägt. Auch Alan Rickman als seelenvoller älterer Verehrer der jungen Kate Winslet wird seinesgleichen kaum finden.

Aber jede Generation verdient ihre eigene Lesart von „Sense and Sensibility“, und Georgia Oakleys Neuinterpretation ist nicht die schlechteste. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der innigen Beziehung zwischen den beiden Schwestern Elinor und Marianne Dashwood, deren jeweilige Temperamente die titelgebende Opposition Verstand und Gefühl vertreten. Während Elinor – mit zarter Beharrlichkeit gespielt von Daisy Edgar-Jones – ihre aufgewühlten Gefühle rationalisiert, gibt sich ihre Schwester Marianne (eine leidenschaftliche Esmé Miles) ganz ihren Emotionen hin.

Sozialer Abstieg

„Reichtum hat nichts mit Glück zu tun“, heißt es gleich zu Beginn, doch Jane Austen verschleierte in ihrer Literatur keineswegs die Härten, mit denen Frauen der „Bridgerton“-Ära konfrontiert waren. Aufgrund der strengen Güterfolge fiel jeder Besitz dem nächsten männlichen Erben zu, und auch die Dashwood-Damen kämpfen mit dem sozialen Abstieg. Sie müssen ihr geliebtes Herrenhaus Norland Park zugunsten des älteren Halbbruders und seiner arroganten Frau verlassen und in einem bescheidenen Steinhaus Zuflucht nehmen.

Doch Austens Schwesterndrama ist nicht nur scharfsinniges Sittenbild, sondern auch pointierte Gesellschaftskomödie. Zu den witzigsten Charakteren in ihrem Figurenrepertoire zählt Mrs. Jennings, eine entfernte und etwas vulgäre Verwandte: Die fröhliche Schnapsdrossel bringt die Schwestern und ihre Mutter zwar gerne in Verlegenheit, fungiert mit ihrer derben Gutmütigkeit aber auch als gesellschaftlicher Stoßdämpfer zwischen den snobistischen Erben und der verarmten Familie.

  Viennale-Programm mit Highlights aus Österreich und der ganzen Welt

Als Regisseurin schöpft Georgia Oakley alle Vergnügungen aus, die ein Historiendrama zu bieten hat. Das reicht von unterdrücktem Begehren bei Kerzenschein bis hin zu einer rauschenden Ballnacht, in der sich die vernünftige Elinor und ihr heimlicher Verehrer Edward glühende Blicke zuwerfen. Aber anstelle von überbordender Kostümopulenz findet Oakley viele Reize in der Schönheit der englischen Landschaft.

Und natürlich läuten am Ende die Hochzeitsglocken. Doch dass Sinn und Sinnlichkeit auch einem beinharten Heiratsmarkt unterworfen sind, um das soziale Überleben zu sichern, kann kein romantischer Brautschleier verbergen. „Ich werde meine eigene Herrin sein“, schwört sich die kluge Elinor Dashwood. Dafür hat sie sich einen leidenschaftlichen Kuss verdient.

INFO: USA/GB 2026. 131 Min. Von Georgia Oakley. Mit Daisy Edgar-Jones, Esmé Miles.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.