
Vor wenigen Tagen haben Voestalpine und Verbund den Ausbau ihres Wasserstoffprojekts in Linz präsentiert. Die OMV baut in Bruck an der Leitha am künftig größten Elektrolyseur des Landes. Beim Aufbau eines Leitungsnetzes für den Transport von Wasserstoff scheint dagegen wenig weiterzugehen. Die heimischen Gasnetzbetreiber scharren gleichsam in den Startlöchern, warten aber auf politische Entscheidungen als Startsignal.
„Jetzt brennt es wirklich schon“
Vor allem eine Novelle des Gaswirtschaftsgesetzes wird sehnlich erwartet. Sie soll die Grundlage für den Aufbau eines österreichischen Wasserstoff-Start- und Kernnetzes liefern und Planungssicherheit geben, heißt es von den Gasnetzbetreibern TAG und Gas Connect Austria (GCA). „Wir warten schon wirklich lange darauf. Das hat schon in der vorigen Legislaturperiode begonnen. Jetzt brennt es wirklich schon“, sagt GCA-Geschäftsführer Stefan Wagenhofer bei der Fachveranstaltung „Netzdialog:Gas.Wasserstoff“.
Österreich muss Gas geben, um mitzuspielen
„Mit Wasserstoff könnte Österreich seine Rolle als Energie-Drehscheibe wieder einnehmen“, sagt TAG-Geschäftsführerin Isabella Pichler-Olearczyk. Durch russisches Erdgas war Österreich lange Zeit ein wichtiges Transitland. Mit Projekten wie dem „SouthH2Corridor“ von Nordafrika über Italien und Österreich nach Deutschland wäre ein Comeback als „Hub“ möglich. Aber: „Auf uns wartet niemand. Das muss uns bewusst sein“, so Wolfgang Anzengruber, Beiratsvorsitzender der Hydrogen Partnership Austria. „Es gibt auch Wege, die an Österreich vorbei gehen.“ Wasserstofftransporte könnten Österreich etwa über die Schweiz umgehen. „Deshalb sollten wir Tempo aufnehmen, sonst ist Österreich eine Insel.“
Niederlande, Dänemark und Deutschland legen los
Christoph von dem Bussche, Präsident des europäischen Wasserstoff-Netzbetreiberverbandes ENNOH, sieht es nicht ganz so drastisch: „Wir brauchen eigentlich alle Korridore. Je mehr davon, desto stabiler ist das System.“ Für Österreich sei ein funktionierendes Wasserstoffnetz einfach eine große Chance. Große heimische Industrieunternehmen könnten dadurch ihr Geschäft dekarbonisieren. In anderen europäischen Ländern werden bereits erste Erfolge beim Infrastrukturaufbau gemeldet. In den Niederlanden ist der erste Teil eines Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb genommen worden. Zwischen Dänemark und Deutschland wird bereits eine Wasserstoff-Pipeline gebaut.
Wer wird dafür bezahlen?
Der Bedarf an Wasserstoff sei vorhanden. „Wir brauchen heute schon 120.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr. Das ist derzeit aber fast ausschließlich fossiler Wasserstoff, per Dampfreformation aus Erdgas hergestellt.“ Elektrolyseure mit 30 Megawatt Gesamtleistung seien in Österreich in Betrieb. 150 Megawatt seien im Bau. „Das ist kein schlechter Weg.“ Nur budgetär sei das Land nicht „wahnsinnig gut ausgestattet“, meint Matthias Pastl von der Voestalpine. „Wir müssen einen Plan finden, um trotzdem durchzukommen.“
Den heimischen Gasnetzbetreibern schwebt vor, ein so genanntes „Hochlaufkonto“ zu schaffen. Der Staat soll private Investitionen damit gegen Ausfälle versichern. „Das ist ein Finanzierungsmodell, das wir in der Branche entwickelt haben“, sagt Wagenhofer. „Für die Politik ist es ganz einfach: Wenn die ganze Branche das will, braucht es kein anderes. Und es belastet das Budget nicht.“
Zweidrittelmehrheit für GWG gesucht
Die Transformation kann aber nicht ohne Beitrag der Allgemeinheit gelingen. „Die Finanzierung eines Startnetzes wird etwas kosten. Es geht immer um die Frage, was wir damit gewinnen“, sagt Lukas Hammer von den Grünen bei einer Diskussionsrunde der Energiesprecher aller fünf Parlamentsparteien. Mit mutigen politischen Entscheidungen könne man Planbarkeit schaffen. Paul Hammerl von der FPÖ plädiert dafür, sich eher Energieträgern wie Erdgas zuzuwenden, die bereits am Markt vorhanden sind.
Im Parlament geht es nun darum, …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



