Christine Nöstlinger zum 90er: „Kinder brauchen keine Schonkost“

Kultur

„Dass mir Schreiben Spaß macht, das hat mich sehr verblüfft“. Das erzählt Christine Nöstlinger in einer Archivaufnahme in der Dokumentation „Sowieso und überhaupt“. Am Dienstag würde die große österreichische Schriftstellerin ihren 90. Geburtstag feiern, wäre sie nicht 2018 gestorben. Alexandra Schneiders Filmporträt lässt noch einmal ihre Karriere Revue passieren – Wegbegleiter wie Verleger, Freundinnen, ihre Töchter Christiana und Barbara, aber auch Fans wie Stefanie Sargnagel kommen zu Wort. Rechtzeitig zum runden Geburtstag kommt der Film am Freitag ins Kino.

Unter anderem führt er zurück in die Zeit, als Nöstlinger mit dem Schreiben begonnen hat. Diese Idee war ja nicht auf ihrem Mist gewachsen. Sie wollte ursprünglich nur zeichnen, sie hatte ja Gebrauchsgrafik studiert. Aber Ende der 60er war sie dann halt ins „Mütterliche und Häusliche“ gerutscht, wo sie sich wieder „herauswurschteln“ wollte, wie sie ihrer Verlegerin einmal schrieb – inklusive Übersetzung des wienerischen „Herauswurschteln“.

Feuerrote Rettung

Im „Häuslichen“ langweilte sie sich so, dass sie Kreise häkelte, die sie ab einer gewissen Größe immer wieder auftrennte. Die Rettung aus der Häkel-Hölle war „Die feuerrote Friederike“ 1970. „Ich hab gedacht, da schreib ich ein, zwei Zeilen zu jedem Bild, aber der Text ist immer länger geworden“, erzählt sie amüsiert in der Doku. Nicht viel später sagte der Verlag bei einem neuen Projekt, die Bilder wären nicht mehr so dringend, aber bitte mehr Text. Na gut, dachte sich die Nöstlinger.

Es war der Startschuss für eine nachhaltige Wende in der deutschsprachigen Kinderliteratur. Von einem pädagogischen Zugang zu einem Ernstnehmen der jungen Leserinnen und Leser, als wären sie Erwachsene: „Kinder brauchen keine Schonkost. Die leben genauso auf derselben Welt wie wir, haben dieselben Probleme“, erklärte Nöstlinger bestechend simpel ihre Auffassung. Damit und nicht zuletzt mit dem überraschenden und demokratisierenden Einsatz von Umgangssprache prägte sie mehrere Lesegenerationen.

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Anlässlich des 90. Geburtstags kommen Nöstlinger-Fans auf verschiedenste Weise auf ihre Kosten. In der Nationalbibliothek zeigt die Ausstellung „Fliegende Katzen im Gemeindebau – Christine Nöstlinger. Pionierin der Kinderliteratur“ (bis 13.2. 2027) bisher unbekannte Manuskripte, Zeichnungen und Fotos. Aber auch berührende Briefe von Leserinnen und Lesern verdeutlichen, wie die Schriftstellerin Jung wie Alt in Herz und Hirn erreichte.

Bühnenhommage

Etwa mit ihren Dialektgedichten, die nun in einer Gesamtausgabe mit dem Titel „I ken mi ned wiaglich aus auf da Wöd“ und mit bisher unveröffentlichten Illustrationen im Residenz Verlag erschienen sind. Sie werden wohl auch Teil der Hommage sein, die Stefanie Sargnagel und Gerald Votava im Rabenhoftheater gestalten (Premiere am Freitag) – der Ort ist mehr als passend, viele der Gedichte handeln vom Gemeindebau.

Auch Radio und TV stimmen in die Huldigung ein: Ö1 widmet Nöstlinger diese Woche die „Gedanken für den Tag“ (6.57 Uhr), am Geburtstag selbst die „Tonspuren“ (16.05 Uhr), am Samstag wird das Hörspiel „Iba de gaunz oamen Leit“ um 14 Uhr ausgestrahlt. ORF III zeigt am Samstag „Geschichten vom Franz“, weitere Filme wie „Eine Dicke mit Taille“ sind auf ORF On abrufbar.

Und dazwischen ist viel Zeit, die alten Nöstlinger-Bände aus dem Bücherregal zu kramen und nochmal nostalgisch reinzuschmökern.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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