
Die Autobranche ist in ihrem größten Umbruch in der Geschichte. Mit massiven Veränderungen, Verwerfungen und schmerzlichen Einschnitten. Auf der einen Seite der Transformation: Reduktion, Mitarbeiterabbau und die Suche nach neuer Effizienz und Stärke. Auf der anderen: Milliarden-Investitionen in zukunftsfähige Werke und neue Technologien.
Autobauer BMW investiert kräftig. Zuletzt in eine neue Produktionsstätte in Debrecen (Ungarn), wo für die sogenannte „Neue Klasse“ zwei Milliarden Euro in ein neues Werk flossen. Allein 2025 tätigte die BMW Group Investitionen in Höhe von 3,24 Milliarden Euro.
Jetzt wird auch in Steyr, einer von 30 Produktionsstätten weltweit, nochmals nachgelegt. Konkret soll für weitere 100 Millionen Euro eine Fertigung für Leistungselektronik und Inverter-Komponenten aufgebaut werden. „Durch die hauseigene Fertigung steigen wir noch tiefer in die Elektrotechnik ein. Das verbessert unsere Wettbewerbsposition und verringert Abhängigkeiten in einem geopolitisch sensiblen Technologiefeld“, sagt Harald Gottsche, Geschäftsführer der BMW Group Werk Steyr. Für den Produktionsstart im Sommer 2029 wird damit auch eine neue Montagelinie entstehen.
Von 2022 bis 2030 investiert BMW insgesamt gut eine Milliarde Euro in das Werk in Steyr, damit hier künftig noch mehr Elektromotoren vom Band rollen können. Damit werde Steyr „zu einem zentralen Standort für Elektromobilität in der BMW Group ausgebaut“, sagt Gottsche.
Gebeutelte Industrie
Die Nachricht ist ein Lichtblick in der europäischen Autoindustrie, die seit Jahren in einer tiefen Krise steckt. Die Transformation hin zu Elektroautos, die Absatzschwäche der vergangenen Jahre, vor allem in China, US-Zölle, die Konkurrenz aus China – all das setzt den Herstellern in Europa seit Jahren massiv zu. Die deutschen Hersteller Mercedes, Volkswagen und Porsche, Audi und BMW müssen auch heuer wieder mit schwachen Absatzzahlen leben – obwohl gerade in Österreich die Verkaufszahlen bei Pkw auf einen guten Wert zusteuern (siehe oben). Aber auch im dritten Quartal sind die Auslieferungen bei allen deutschen Herstellern zurückgegangen.
Die Folgen sind massive Sparprogramme und Personalabbau bei allen in Europa produzierenden Herstellern. Da Österreich kaum eigene Endhersteller hat, ist die Branche fast vollständig als Zulieferindustrie organisiert. Durch eine hohe Exportquote von 94 Prozent – wovon der Großteil nach Deutschland geht – treffen die aktuellen Werksschließungen und Sparprogramme von Giganten wie Volkswagen oder Stellantis die heimischen Betriebe.
Österreichs Cluster
Umso erfreulicher ist BMWs Investition in seinem Werk in Steyr. Mit rund 4.700 Beschäftigten und über 1,2 Millionen gefertigten Motoren pro Jahr ist Steyr das größte Motorenwerk der BMW Group. Rund die Hälfte aller weltweit verkauften BMW- und Mini-Fahrzeuge wird von einem Steyr-Motor angetrieben. Das Werk fertigt seit 2025 die neue Generation von Elektromotoren (Gen6) für die „Neue Klasse“ und baut die Kapazitäten jährlich aus. Hunderte Ingenieure und Fachkräfte entwickeln vor Ort eben nicht nur klassische Diesel- und Benzinaggregate, sondern auch neue E-Antriebe, Ladeequipment und Wasserstoff-Brennstoffzellensysteme.
Die Investition von BMW ist eine Bestätigung der Autocluster in Oberösterreich und der Steiermark. Der einzige Standort in Österreich, an dem komplette Pkw in Serie gebaut werden, ist das Werk von Magna Steyr in Graz. Nach den schweren Jahren 2024/2025 – mit der Insolvenz von Fisker und Unterauslastungen – stellt sich das Werk neu auf. Statt reiner Lohnfertigung für westliche Marken agiert Magna nun als Partner für neue Marktteilnehmer.
Chinesische Marken …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



