
Es war ein stiller Herbsttag, als Beamte des Bundeskriminalamts in mehreren Grundbuchämtern auftauchten. Ihr Auftrag: die Beschlagnahme von Liegenschaften im Wert von Millionen Euro. Die Objekte gehören Julius Meinl, einst einer der schillerndsten Unternehmer Österreichs, und seinem engsten Kreis. Jetzt sind sie Beweismittel in einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren der vergangenen Jahre.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der insolventen Meinl Bank, mehrere Ex-Vorstände und weitere Verantwortliche. Die Vorwürfe wiegen schwer: Untreue, Veruntreuung und betrügerische Krida. Der mutmaßliche Schaden: rund 150 Millionen Euro.
Das Kaffee-Geschäft unter Wert verscherbelt
Was die Ermittler rekonstruiert haben, liest sich wie ein Lehrstück über Vermögensverschiebung in der Krise. In den Jahren vor der Insolvenz sollen die Verantwortlichen systematisch Werte aus der Bank geschleust haben – während Gläubiger und Kunden noch auf ihr Geld hofften.
Ein zentraler Vorwurf: Der Verkauf des traditionsreichen Kaffee-Geschäfts. Die Ermittler gehen davon aus, dass wertvolle Unternehmensanteile weit unter Marktwert veräußert wurden. Gleichzeitig sollen Kredite und Kontoüberziehungen in Millionenhöhe an ausländische Firmen geflossen sein, die der Meinl Bank nahestanden – ohne ausreichende Sicherheiten, ohne wirtschaftliche Rechtfertigung.
Privatjet auf Firmenkosten
Besonders pikant: Die Rolle von Julius Meinl selbst. Der Aufsichtsratsvorsitzende soll nicht nur seine regulären Bezüge kassiert haben. Zusätzlich flossen hohe Beratungshonorare – ohne dass eine entsprechende Gegenleistung erkennbar gewesen wäre, so der Verdacht. Und: Die Bank soll pauschal die Kosten für ein Privatflugzeug übernommen haben. Ob die Flüge dienstlich oder privat waren, soll offenbar nie geprüft worden sein.
Die Karibik-Connection
Ein zweiter Verfahrensstrang führt in die Karibik. Die Meinl Bank Antigua, eine Tochtergesellschaft der Meinl, soll als Vermögens-Vschiebebahnhof gedient haben. Verantwortliche der Meinl Bank sollen Guthaben und Wertpapiere von Kunden der Antigua-Bank veruntreut haben. Im Gegenzug wanderten wertlose oder hochriskante Kreditforderungen in die Karibik – vermutlich, um die Bilanz der Meinl Bank aufzuhübschen.
Schenkungen an die Familie
Der dritte Vorwurf trifft Julius Meinl persönlich. Im Hinblick auf drohende Millionenforderungen aus dem früheren Anlegergeschäft und der Bankpleite soll er sein Privatvermögen in Sicherheit gebracht haben. Liegenschaften und Unternehmensanteile seien an Angehörige verschenkt oder in nahestehende Gesellschaften verschoben worden – klassische betrügerische Krida, so die WKStA.
Internationale Dimension
Die Ermittlungen laufen seit Monaten unter Hochdruck. Die WKStA arbeitet mit dem Bundeskriminalamt, Wirtschaftssachverständigen und ausländischen Behörden zusammen. Rechtshilfeersuchen wurden in mehrere Länder geschickt. Die Beschlagnahme der Immobilien ist erst der Anfang. Weitere Vermögenswerte könnten folgen.
Für die Gläubiger der Meinl Bank ist das ein Hoffnungsschimmer. Ob sie jemals ihr Geld wiedersehen, ist offen. Aber zumindest ein Teil des Vermögens ist jetzt gesichert.
Dem Vernehmen nach bestreiten Julius Meinl und die anderen Beschuldigten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



