
Auf einem der Holztische im Pub ist ein Herz mit „W+V“ eingeritzt. Das beweist in den ersten Momenten der neuen Marvel-Serie „Visionquest“, dass der Superheld und unbesiegbare Android Vision in seiner menschlichen Form (Paul Bettany) nicht zufällig hier arbeitet. Denn das W steht für Wanda, und die war mit Vision, dem V, verheiratet. Deren Geschichte konnte man in „WandaVision“ erfahren – eine der originellsten Marvel-Serien, die Disney+ zu bieten hat. Denn Wanda, die eine Hexe war, lebte mit ihrem Mann, der eigentlich tot war – Menschheitsrettung ist riskant – in einer hingezauberten Fantasie-Familienwelt. Und die sah aus wie eine Heile-Welt-Sitcom aus den 1950ern.
Neu, alt, aber wer?
Es gibt noch sehr viel mehr Vorgeschichte von Vision, aber nur eine Info ist wirklich wichtig zum Verständnis: Während Wandas Vision nicht mehr existiert, seit sie ihren Zauber aufgeben musste, gibt es den vermeintlich toten Vision sehr wohl noch, repariert und neu zusammengesetzt – und der steht nun im Mittelpunkt der Serie. Er würde sich gern wieder seiner „menschlicheren Version“ annähern, ist sich da aber auch nicht so ganz sicher. Er ist sich ja nicht mal sicher, wer er als dieser neue Vision eigentlich ist. Kurz gesagt: Der Mann hat eine ausgewachsene Identitätskrise.
Unterstützung bekommt er von diversen KIs in seinem System, die er allesamt in menschliche Form gegossen hat. Zwei sind zuständig für Wartungsarbeiten und haben Overalls wie Hausmeister an. Es gibt außerdem Zuständige für Sicherheit, für Sozialisierung und für Waffen (die ist auch gleichzeitig verantwortlich für Spiel und Spaß). Zusammen wohnen sie in Visions Schaltkreisen, aber eben auch in einem viktorianischen Herrenhaus, wo auf den Vorratsdosen Firewall steht. Um Mitternacht geht Vision ins Erinnerungskino.
Leider hat Vision auch seinen Erschaffer, Ultrabösewicht Ultron (James Spader mit Rauschebart), in den Dachboden kopiert. Und der hat nichts Besseres zu tun, als einem Kopfgeldjäger Visions Arbeitsplatz zu verraten. Irgendein anderer Fiesling hat den auf den Androiden angesetzt. Das führt natürlich zu allerlei genretypischen Schießereien, Explosionen, Flugmanövern etc. Aber wirklich verwundbar wird Vision erst, als der Jäger seinen Sohn Tommy entführt. Ein Sohn, von dem Vision gedacht hat, dass es ihn gar nicht in der Realität gibt.
„Visionquest“ punktet mit dem Einfallsreichtum, mit dem Künstliche Intelligenz illustriert wird, und einer originellen Vater-Sohn-Sohn-Konstellation. Für Nicht-Eingeweihte ins Avenger-Universum freilich eher kein einfach erarbeiteter Genuss.
Source:: Kurier.at – Kultur



