Opernpremiere: „Das sind alles Bilder, die sich Männer damals von Frauen gemacht haben“

Kultur

Der fliegende Holländer segelt vorbei – und Senta opfert sich für ihn, um ihn von seinem Fluch zu erlösen. Richard Wagners Oper gewinnt jetzt keinen Preis für ein originelles Frauenbild: Wie so oft im großen Opernrepertoire zahlt die Frau drauf, damit der Mann gerettet wird. Das ist für Menschen von heute jetzt nicht so widerstandslos in Begeisterung zu übersetzen, wie das zu Wagners Zeit und vielleicht auch noch vor wenigen Jahren gewesen ist.

Was also tun mit dem? Diese Frage hat sich Regisseur Philipp Stölzl schon in den Nullerjahren gestellt. Damals brachte er jene Inszenierung heraus, die er nun am Theater an der Wien zur Premiere bringt. Und diese beleuchtet die Figur der Senta in neuem Licht.

KURIER: Die Inszenierung ist schon eineinhalb Jahrzehnte alt. Hält so etwas?

Philipp Stölzl: Vieles von dem, was man als Regisseur macht – auf der Bühne oder auch im Film – ist flüchtig. Von welcher Haltbarkeit die Kunstwerke sind, lässt sich nie sagen. Manches ist längst verblasst. Dieser „Holländer“ aber hat schon über viele Jahre immer wieder überzeugt. Ich denke, weil wir gerade für diese Senta-Figur eine so schlüssige Interpretation gefunden haben.

Dabei hat sich zuletzt das Sprechen gerade über Frauen so stark verändert!

Absolut. Man denkt weiter, hat den Male Gaze und unbewussten Bias viel präsenter. Gerade auch als Mann hat man viel besser zu reflektieren, wie die Machtstrukturen sind, und zu schauen, wie man diese aufbrechen kann, wie man im feministischen Geist erzählen kann. Im Film hat sich die Art, wie wir Geschichten erzählen, wirklich völlig gedreht, und das ist schön und gut so.

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Und auf der Bühne?

Bei der Oper ist es ein bisschen anders, das Kernrepertoire ist 150 Jahre alt, da hat man diesen männlichen Blick noch ganz anders präsent. Da sind die letzten zehn Jahre sozusagen auch schon egal. Und man hat diese Marmorplatte der Partitur, in die die Emotionen eingemeißelt sind. Das lässt sich auch nicht ändern. Die Werkzeuge, die man im Film hat, um diese Strukturen aufzubrechen, greifen bei der Oper überhaupt nicht.

Was hilft?

Man kann sich dazu nur szenisch verhalten. Und den szenischen Schlüssel für den „Holländer“, den würde ich heute noch genauso verwenden.

Wobei gerade das Frauenbild bei Wagner horrend ist, jedenfalls im echten Leben.

Ja, aber bei einer „Traviata“ oder einer „Butterfly“ hat man dieses Ungute und Süßliche in noch viel üblerem Maße. Bei Wagner gibt es wenigstens Frauen, die sich in den Vulkan stürzen. Die Intensität, die sich in den Noten entfaltet, die will man gar nicht konterkarieren durch dieses Schäbige der eigentlichen Person Wagner. Aber das sind alles Bilder, die sich Männer damals von Frauen gemacht haben. Und da muss man sich schon fragen: Wie schafft man es überhaupt, dieses Kernrepertoire weiterzuspielen, ohne dass dir die junge Generation abhaut und sagt: Den Scheiß schauen wir uns nicht mehr an?

Nun gut, also wie?

Der „Holländer“ ist musikalisch auf so spannende Weise collagiert. Da gibt es Tolles, Avantgardistisches. Aber auch diese Gruselgeschichte, bei der man die Windmaschine noch heulen hört. Und die Lust an der Kolportage – dass der Geisterkapitän kommt und die Frau holt, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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