Geheimnisvolle Welt der Freimaurerei

Politik

Der Tempel im Dachgeschoß des Hauses in der Rauhensteingasse 3 in Wien strahlt etwas Mystisches aus. Sogar eine Orgel hat dort Platz gefunden. In dem Haus der Freimaurer treffen sich regelmäßig die Brüder der Großloge, um über verschiedenste Themen zu diskutieren. Diesem Netzwerk wird eine fast schon geheimnisvolle Macht in der Politik und Wirtschaft zugeschrieben. Für Großmeister Georg Semler wird da zu viel hineininterpretiert. Es gehe vielmehr um eine Lebenshaltung.

Im Interview mit KURIER-Chefredakteur Martin Gebhart spricht Semler über Beziehungen und Einfluss bei den Freimaurern, die Aufnahme als Bruder, den Umgang mit Religion und Parteipolitik und den vergeblichen Kampf gegen eine anonyme Website.

KURIER: Herr Semler, wir sitzen hier im Haus der Großloge der Freimaurer in der Rauhensteingasse 3 in Wien. Für viele gilt dieses Gebäude als Machtzentrum der Republik. Ist das so?

Georg Semler: Die Freimaurer haben keine Macht. Es gibt einzelne Freimaurer, die Einfluss haben, und das ist gut so. Insbesondere wenn sie sich unseren Werten verbunden fühlen. Ich kenne natürlich das Argument der Verschwörungen, dass die Freimaurerei die große Machtzentrale sei, die die Weltpolitik steuern würde. Ich kann Ihnen nur eines sagen: Wäre das so, würde die Weltpolitik anders aussehen.

Wir müssen aber nur die vergangenen Monate hernehmen: die Affäre um Ex-Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck, die ORF-Affäre oder Streitigkeiten in der SPÖ – immer wurde vermutet, dass da die Freimaurer die Hand im Spiel haben.

Das war jetzt ein Potpourri an Fragen, die ganz unterschiedlich sind. Sagen Sie mir konkret, was es sein soll, dann kann ich antworten.

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In der Ruck-Affäre ist Bürgermeister Michael Ludwig im ORF direkt gefragt worden, ob sein Verhalten in der Freimaurerei begründet liegt. Bezüglich der Weißmann-Affäre im ORF wurde kolportiert, dass Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer nur gehalten worden sei, weil er ein Freimaurer ist.

Zu einzelnen Personen kann ich aus Datenschutzgründen weder etwas bestätigen noch kommentieren. Beim ORF-Stiftungsrat fällt es mir dennoch ganz leicht. Der Vorsitzende ist kein Freimaurer, das kann ich Ihnen sagen. Die Dinge werden so zusammengereimt, weil wir aus der Anonymität heraus und nicht beweisbar herangezogen werden. Wir sind halt eine gute Projektionsfläche für behauptete Zusammenhänge, wenn die wahren Zusammenhänge zu komplex sind.

Sie sprechen von Anonymität, und dennoch haben Sie jetzt das Buch „Freimaurer sein“ publiziert. Warum?

Den Inhalt des Buches habe ich über drei Jahre hindurch mit Herren, die in meiner Nähe sind, erarbeitet. Es geht uns um die Essenz. Was macht es aus, Freimaurer zu sein? Und wir sind am Ende dieses Prozesses wirklich davon überzeugt gewesen, dass wir uns für unsere Werte, für unser Denken, für unsere Regeln überhaupt nicht genieren müssen.

Sie setzen sich da nicht mit der Geschichte, sondern nur mit dem, was einen Freimaurer ausmacht, auseinander.

Es ist eine Lebenshaltung. Und ich habe als Großmeister versucht, die Kriterien dieser Lebenshaltung zu vermitteln.

Als wichtigsten Punkt nennen Sie die Beziehungen. Ist es nicht gerade das, was das Geheimnisvolle an den Freimaurern ausmacht?

Am wichtigsten ist die Beziehung zu sich selbst. Wenn die in Ordnung ist, kann ich die Beziehung zu anderen auch gut gestalten.

Sind die Beziehungen nicht so stark, dass sie andere Regeln der Gesellschaft außer Kraft setzen? …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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