Ausgerechnet Texas: Die Bastion der Republikaner wankt

Politik

Noch sind sie alle skeptisch. „So richtig glauben kann ich das noch nicht“, sagt Susan, Anfang 60, Peace-Zeichen als Ohrring. Ja, Gina Hinojosa, die Latina, die hier in Austin gerade auf der Bühne spricht und Gouverneurin werden will, sei schon gut. Und James Talarico, der junge, religiöse Ex-Lehrer, der in den Senat will, erinnere sie sogar ein bisschen an Barack Obama, sagt die Texanerin. Aber gewinnen? „Das konnten die Demokraten hier doch seit 40 Jahren nicht mehr.“

Texas, das ist republikanisches Herzland, einer der rotesten Bundesstaaten überhaupt. 31 Millionen Menschen wohnen hier, dazu 12 Millionen Rinder, verteilt auf einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland. Wäre Texas ein eigenständiger Staat, läge er gemessen an der Wirtschaftsleistung auf Platz acht der Welt, vor Italien, Russland und Kanada. Angeschoben haben das auch die vielen Milliardäre, die ins Land der Cowboys ziehen, Elon Musk hat sein Firmenimperium aus dem „viel zu woken“ Kalifornien hierher verlegt. Texas hat keine Einkommenssteuer, keine Gewinnsteuer, und die gesellschaftlichen Vorstellungen sind klar – zum Abtreiben müssen Frauen seit dem Jahr 2022 über die Grenze, selbst nach Vergewaltigungen.

Dafür klopfen sich die Republikaner auf die Schultern, die hier mit Ausnahme einiger „blauen Inseln“ wie Austin wie in einem roten Meer regieren: Seit George W. Bush war jeder Gouverneur rot, in den Senat wurden seit Ende der 1980er nur Republikaner gewählt.

Nicht alles liegt an Trump

Wechselt Texas wirklich die Seiten, wie die Umfragen es seit Wochen prognostizieren, wäre das nicht nur für die Menschen hier eine Zäsur. Es würde alles erschüttern, woran die Republikaner jahrelang geglaubt und wofür sie gekämpft haben, für die MAGA-Welt, für Donald Trump.

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Wie das passieren konnte, darauf gibt es viele Antworten. Eine ist sicher Trump selbst, sein Iran-Krieg, von dem er versprochen hatte, ihn nie zu führen, und die Preise, die die Amerikaner dafür bezahlen müssen. Sieben Dollar für eine Flasche Wasser, das ist in Austin keine Seltenheit, und weil man in Texas für wirklich alles ein Auto braucht, sind 40 Prozent mehr fürs Benzin seit 2025 ein herber Schlag. Von den 73 Prozent mehr für Diesel, den die gut 130.000 Rinderfarmen hier brauchen, nicht zu reden.

Aber Trump allein taugt als Erklärung nicht, hört man denen zu, die ihr Kreuz früher gern bei den Republikanern gemacht haben. Kent Fischer, 78, ist einer davon, der ehemalige Psychologe und Tierarzt lebt 80 Kilometer südlich von Austin in New Braunfels, vor seiner Farm grasen Rinder. Hier ist man im echten Texas, nicht in der liberalen Hauptstadt, „von dort hören wir immer Geschichten über Obdachlose und Kriminelle, da fahren wir nicht hin“, sagt er. Er lacht dabei, aber ernst meint er es doch; tatsächlich leben Obdachlose und Tech-Bros in der Hauptstadt Schulter an Schulter. Musks selbstfahrende Robotaxis brausen an jenen vorbei, die sich eine Fahrt nie leisten könnten.

Fischer ist sozial engagiert, seit Jahrzehnten bei den Rotariern, er weiß, was die Texaner umtreibt. „Alle sind vom politischen Betrieb angewidert“, sagt er, schüttelt den Kopf. „Es ist wie ein Radio, das zu laut aufgedreht ist.“ Früher hätten ihm sein Sohn oder sein Cousin gern erzählt, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

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