
Vom digitalen Preisschild über Selbstbedienungskassen bis hin zum kassenlosen Geschäft – der stationäre Handel wird immer digitaler.
Die Entwicklung zeigt sich bereits direkt am Regal, wo Preise immer häufiger auf digitalen Preisschildern angezeigt werden. Diese ersparen Händlern das händische Austauschen von Tausenden Preisschildern, reduzieren den Papierverbrauch und senken die Fehlerquote. Zudem ermöglichen sie es, Preise jederzeit zu ändern. Dynamic Pricing (also dynamische Preisgestaltung), wie etwa bei Flugtickets oder Hotelzimmern üblich, ist damit technisch auch im stationären Handel möglich.
Supermarktketten halten sich mit Preisänderungen zurück
Doch gerade häufige oder schwer nachvollziehbare Preisänderungen könnten bei Kunden auf Akzeptanzprobleme stoßen, sagt Handelsforscher Christoph Teller dem KURIER. Die Lebensmittelhändler halten sich daher zurück: Bei Spar sind rund die Hälfte der Filialen mit digitalen Preisschildern ausgestattet. Die Preise würden dadurch aber nicht häufiger geändert, betont Sprecherin Nicole Berkmann. Auch bei Billa erfolgt die Anpassung einmal wöchentlich mit dem neuen Flugblatt. Nur in Ausnahmefällen müsse kurzfristig reagiert werden.
Noch deutlicher zeigt sich der Wandel an der Kassa. Bei Billa ist rund die Hälfte der 1.200 Märkte mit Selbstbedienungskassen ausgestattet. Auch Hofer baut diese seit Sommer sukzessive aus. Spar hat SB-Kassen an 60 von 1.570 Standorten. Für die Händler geht es dabei nicht allein um Personaleinsparungen, sondern auch um Kunden, die sich selbst bedienen möchten. Ob das tatsächlich schneller ist, hängt aber von der Situation ab. Eine geübte Kassierkraft sei immer noch schneller als der Kunde selbst, sagt Berkmann.
Die Kunden müssen immer mehr Aufgaben selbst übernehmen
Handelsforscher Teller sieht die Entwicklung kritisch: „Der Handel überträgt einen Teil seiner bisherigen Leistungen auf die Kunden.“ Diese müssten die Waren selbst scannen und darauf achten, dass alle Artikel korrekt erfasst werden – ohne dafür weniger zu bezahlen. „Wenn der Kunde immer mehr Aufgaben selbst übernehmen muss, stellt sich zunehmend die Frage, worin die zusätzliche Serviceleistung des Händlers besteht.“
Die nächste Stufe testet Billa bereits mit „Scan&Go“: Kunden erfassen ihre Produkte direkt beim Regal mit einem Handscanner. Der Umweg über die klassische Kassa wird damit kürzer. Bei sogenannten „Just-Walk-Out“-Konzepten entfällt sie ganz. Kameras und Sensoren erfassen Waren und Kunden, die Bezahlung erfolgt automatisch beim Verlassen des Geschäfts.
„Viele Konsumenten fühlen sich beobachtet“
Amazon hat ein solches Konzept in seinen US-Supermärkten wieder zurückgefahren. Rewe testet ähnliche Systeme weiterhin in Deutschland und Rumänien. In Österreich dürfte die Akzeptanz vorerst eine Hürde sein. „Viele fühlen sich schon bei einer Kundenkarte beobachtet“, sagt Handelsexpertin Cordula Cerha. Insbesondere Gesichtserkennung und Speicherung von Kundendaten stoßen auf Skepsis.
Der Blick nach Asien zeigt, was technisch möglich wäre. „In China passiert vieles, was bei uns noch Zukunftsmusik ist“, sagt Cerha. Dort werden etwa Regale maschinell bestückt oder Waren von humanoiden Robotern ausgegeben. In Europa setzen Datenschutzbestimmungen und die geringere Akzeptanz der Konsumenten Grenzen.
Auch Möbel-, Elektronik- und Sporthändler werden digitaler
Die Digitalisierung beschränkt sich längst nicht mehr auf den Lebensmittelhandel. Der Möbelhändler XXXLutz setzt etwa auf Augmented Reality: Kunden können Möbel per QR-Code scannen und virtuell im eigenen Wohnraum platzieren. Die persönliche Beratung soll dadurch nicht ersetzt werden.
Elektronikhändler Mediamarkt will seine Filialen stärker mit dem Onlinehandel verbinden. Auch das kassalose Bezahlen direkt bei Verkäufern, werde in deutschen Filialen getestet. „Der …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



