
Zwischen 1,78 und 2 Euro kostet der Liter Diesel und Benzin an den Zapfsäulen – auf dem Land noch mehr, bis hin zu 3 Euro. Die Rede ist nicht von Österreich, sondern Ländern wie dem Sudan oder Simbabwe, in denen E-Mobilität so gut wie keine Rolle spielt. Wo das Leben ohne fossile Brennstoffe für Fortbewegungsmittel, zum Kochen, für Landwirtschaft, Rohstoffabbau und die (überschaubare) Industrie stillsteht.
Dass Länder des Globalen Südens von den Weltmarktpreisen für Diesel und Rohöl, die der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die Sperre der Straße von Hormus in die Höhe getrieben haben, im Vergleich noch härter getroffen sind, überrascht nicht. Ein Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) legt nun nahe, dass die Folgen des Krieges langfristig die globale Ungleichheit weiter verschärfen dürften.
Inflation frisst Wachstum
„Öl importierende, nicht rohstoffintensive Volkswirtschaften sind stärker von höheren Energie- und Lebensmittelpreisen betroffen“, steht im jüngst veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick des IWF. Auch wenn der IWF der Welt im Durchschnitt – mit der Anmerkung, dass dieser das ungleiche Wachstum zwischen den Volkswirtschaften verschleiert – ein positives Wirtschaftswachstum für heuer und das nächste Jahr prognostiziert, dürfte die globale Inflation höher als dieses Jahr ausfallen. Dann schrumpft die reale Wirtschaftsleistung, das Leben wird für die Bevölkerung teurer.
Von dieser Entwicklung sind Länder auf der ganzen Welt, von den USA über Europa bis zu Ländern südlich der Sahara und in Asien betroffen. Doch trifft es den Globalen Süden wegen seiner Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen noch härter. Das dürfte „Einkommensunterschiede zwischen und innerhalb der Länder vergrößern“, heißt es.
Dazu kommen der seit viereinhalb Jahren dauernde Krieg in der Ukraine, der Getreideausfuhren aus dem Schwarzen Meer seit Jahren unsicherer macht, steigende Düngemittelpreise, die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle und das drohende „Super“-El-Niño-Wetterphänomen – all diese Ereignisse gefährden die Länder, denen noch dazu die Ressourcen fehlen, um mit reicheren Ländern um begrenzte Ressourcen zu konkurrieren. Der IWF warnt auch vor dem KI-Boom, der zusätzlich das Risiko berge, Nationen abzuhängen und die globale Ungleichheit weiter zu verschärfen.
Treibender Faktor: China
Je nachdem, welche Werte man zur Messung globaler Ungleichheit heranzieht, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen: Gemessen nach der Einkommenssteigerung aller Weltbürger ging die globale Ungleichheit über Jahrzehnte zurück. Bis die Corona-Pandemie dieser Entwicklung einen Dämpfer verpasste. Der globale Gini-Koeffizient, dessen Index zwischen 1 und 100 angegeben wird – null steht für vollständige Gleichheit, 100 für die maximale Ungleichheit, dass nur eine einzige Person alles besitzt und die anderen nicht – sank von 70 im Jahr 1990 auf 62 im Jahr 2019. Doch auch diesen Trend muss man aufdröseln: Getrieben wurde diese Entwicklung von dem bevölkerungsreichen China und seiner wirtschaftlichen Aufholjagd, während sich bei anderen Ländern wenig bis kaum etwas tat.
Schaut man sich jedoch den Besitz von Vermögen an, ist die Kluft zwischen Arm und Reich nicht nur innerhalb der meisten Länder, sondern auch im internationalen Vergleich seit Jahrzehnten weiter gewachsen. Das Vermögen der reichsten Menschen der Welt wuchs seit 1995 schneller als im Durchschnitt, um 6 bis 9 Prozent pro Jahr (im Durchschnitt 3,2 Prozent pro Jahr). Auch dieser Anstieg hat sich während der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



