
Schluss mit traditionellen Superhelden. Die packende DC-Neuverfilmung von „Clayface“ ist harter Body-Horror, nicht netter „Superman“. In den USA hat der jüngste Kinofilm im DC Universe (DCU) von James Gunn und Peter Safran prompt ein R-Rating bekommen: Kein Jugendlicher unter 17 darf ohne Aufsichtsperson hinein – sehr zur Freude der Fans. Es wird geschlitzt, geschnitten und geblutet. Verklebte Augenlider müssen wieder aufgetrennt werden, Körper mutieren zu unförmigen Massen. Kurz gesagt: Nichts für schwache Nerven.
Dabei fängt alles so fröhlich im sonnigen Kalifornien an: Der junge Schauspieler Matt Hagen steuert auf den Höhepunkt seiner Karriere zu. Als er schließlich von seiner lang ersehnten Oscarnominierung erfährt, bricht er vor Glück in Tränen aus. Das muss gefeiert werden. Während einer ekstatisch durchtanzten Clubnacht trifft Matt auf die verführerische Mia. Trotz der Warnung seines besten Freundes geht Matt mit ihr ins Bett und findet am nächsten Morgen deren Boyfriend in seinem Zimmer. Aus Rache zerschneidet der mächtige Mafioso das Gesicht des jungen Schauspielers und verwandelt den hübschen, blonden Burschen in einen grausam entstellten Mann.
Danach ist Schluss mit Filmkarriere. Matt Hagen verlässt das bunte Hollywood und übersiedelt ins eisgraue Gotham City. Ohne Freunde und Geld fristet er ein erbärmliches Dasein hinter einer Maske – bis er auf die junge Wissenschafterin Caitlyn Corr trifft. Mithilfe einer experimentellen Behandlung schleust sie Nanozellen in seinen Körper, die wie durch ein Wunder sein Originalgesicht wiederherstellen. Begeistert plant Matt sein Comeback in Hollywood; gleichzeitig wird er von grimmigen Rachegelüsten geplagt, die seinen Körper verformen. Wann immer er hasserfüllt an einen seiner Gegner denkt, dem er sein Unglück verdankt, nimmt sein Körper dessen Gestalt an. Diese Mutationen erlauben ihm einen beispiellosen Vergeltungsfeldzug.
In seiner düsteren Charakterstudie erinnert „Clayface“ an Noir-Klassiker wie „Das Gesicht hinter der Maske“ von 1941. Nachtschwarze Straßen, einsame Innenräume, korrupte Cops und isolierte Helden in melodramatischen Großaufnahmen: Einzig seine Liebe zu Caitlyn Corr verspricht Matt Hagen Rettung. Doch sein Alter Ego Clayface übernimmt immer mehr die Führung und steuert die Handlung Richtung Body-Horror – mit Verneigung Richtung David Cronenberg. Mit seinem monströs lehmartigen Körper erstickt Matt Hagen seine Gegner oder nimmt ihre Gestalt an (um sie später zu töten).
An dieser Stelle jedoch verliert die bis dahin mitreißende (Kampf-)Handlung zunehmend an erzählerischer Klarheit und wird – vor allem in den Actionsequenzen – unübersichtlich und beliebig. Auch das Ende lässt sich emotional nicht erklären und dient nur einem Zweck: Fortsetzung folgt.
INFO: USA/GB 2026. 108 Min. Von James Watkins. Mit Tom Rhys Harries, Naomi Ackie.
Source:: Kurier.at – Kultur



