
Die Anfang 2025 im Niger entführte Österreicherin Eva G. ist offenbar wieder frei. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Mittwochabend unter Berufung auf „zwei anonyme offizielle Quellen“, eine Österreicherin und eine Schweizerin seien in der ostlibyschen Stadt Benghazi eingetroffen, nachdem sie nach mehren Monaten Gefangenschaft im Niger befreit worden waren. Reuters nannte keine Namen, doch gab es bereits zuvor im Internet Hinweise auf die Freilassung von Eva G..
So schrieb der Sohn von Eva G., Christoph Gretzmacher, am Mittwochabend auf Facebook über seine Mutter: „Sie verbrachte fast 21 Monate in Gefangenschaft. Eva und Claudia sind jetzt frei. Sie befinden sich derzeit in einem Flugzeug auf dem Weg nach Benghazi, Libyen.“ Die Schweizerin Claudia A. war im April des Vorjahrs ebenfalls im Niger entführt worden. Vom Außenministerium (BMEIA), das sich um den Fall bemüht hatte, lag vorerst keine Stellungnahme vor.
Bewaffnete Männer waren laut Augenzeugen am Abend des 11. Jänners 2025 in das Haus der damals 73-jährigen Eva G. in der nigrischen Wüstenstadt Agadez eingedrungen. Sie verfrachteten die Frau in einen Geländewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die Österreicherin an eine terroristische Gruppe weitergereicht haben. Die islamistische Terrormiliz JNIM, ein regionaler Ableger der Al-Kaida, dementierte unmittelbar nach der Entführung eine Beteiligung an der Tat.
Österreicherin war seit 1996 im Niger aktiv
Die Österreicherin, die seit fast drei Jahrzehnten in Agadez am Rande der Sahara lebte, war seit 1996 mit dem von ihr gegründeten privaten Kulturverein Amanay im Niger aktiv. Sie sei in Agadez sehr gut vernetzt gewesen, sagte ihr Sohn bereits vor einigen Monaten gegenüber der APA. Nach Angaben auf Facebook engagiert sie sich für die Bildung junger Menschen, etwa in Bereichen wie Musik, Gesundheit, Ökologie oder Handwerklichem wie der Schneiderei. 2010 baute sie dafür ein eigenes Kompetenzzentrum.
Am 13. April des Vorjahres wurde mit der Schweizerin Claudia A. dann eine zweite Frau auf die gleiche Art und Weise wie die Österreicherin entführt: nämlich nächtens aus ihrer Wohnung in Agadez. Vermutungen legten nahe, dass Eva G. und Claudia A. gemeinsam festgehalten wurden. Über die Hintergründe der Entführung gibt es kaum gesicherte Informationen. Die nigrischen, österreichischen und auch Schweizer Behörden hielten sich bisher weitgehend bedeckt.
Viele Entführungen in der Sahelzone
Die Sahelregion verzeichnete in der jüngeren Vergangenheit eine Rekordzahl an Entführungen. Der Niger ist seit rund zehn Jahren mit tödlicher Gewalt durch Jihadistengruppen konfrontiert, die mit Al-Kaida und der Miliz Islamischer Jihad in Verbindung stehen. Auch andere Islamistenorganisationen wie etwa Boko Haram sind in der Region aktiv, hinzu kommen russische Söldner. Bei politisch motivierter Gewalt in Burkina Faso, Mali und Niger starben laut ACLED allein im Jahr 2025 mehr als 10.000 Menschen.
Abgesehen von Entführungen westlicher Staatsangehöriger und ausländischer Arbeitnehmer führen die Terroristen einen Wirtschaftskrieg. Das Ziel von Anschlägen und Sabotageakten sind industrielle Produktionsstätten, Bergbaustandorte und Transitrouten. Zuletzt gab es vermehrt Angriffe auf chinesische Infrastruktur und Unternehmen in Niger und Mali.
Source:: Kurier.at – Politik



