Prävention: Was sich bei der Vorsorgeuntersuchung künftig ändern soll

Politik

Wenn es um Verbesserungsvorschläge für das Gesundheitssystem geht, steht ein Punkt oft an oberster Stelle: der Ausbau der Vorsorge. Nur wenn alle Maßnahmen ergriffen werden, um die Menschen möglichst lang gesund zu halten, bleiben die Gesundheitsausgaben einigermaßen unter Kontrolle.

Immerhin: Wenn man rein die Ausgaben für Prävention betrachtet, hat Österreich in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Das geht aus der erstmals erstellten Präventionsbilanz hervor, die der Dachverband der Sozialversicherung präsentiert hat. Demnach lagen die entsprechenden Gesamtausgaben aller Sozialversicherungszweige im Jahr 2025 bei 4,4 Milliarden Euro.

Pro Kopf gerechnet liegt Österreich damit bei den Ausgaben zwar hinter Deutschland, aber vor der Schweiz.

Ausgaben für Vorsorge stärker gestiegen als für Behandlung

Im Detail sind die Ausgaben für Primärprävention (Krankheitsverhütung) von 2023 bis 2025 um 33 Prozent gestiegen, jene für die Sekundärprävention (Früherkennung von Krankheiten) um 21 Prozent. Somit sind die Aufwendungen für die Vorsorge in diesem Zeitraum stärker gewachsen als jene für die Behandlung von Krankheiten.

Als Erfolg verbucht man im Dachverband die wachsende Inanspruchnahme der jährlichen Vorsorgeuntersuchung, auf die jeder über 18 Jahre Anspruch hat. 2025 konnte erstmals eine Teilnahmerate von 20 Prozent erreicht werden, was 1,5 Millionen Personen entspricht. Das bedeutet eine Steigerung von 13,4 Prozent in den vergangenen zwei Jahren.

Bei dem gynäkologischen Untersuchungsprogramm gab es sogar einen Anstieg von 31,7 Prozent.

Ausbaupotenzial

Allerdings sei mitunter schwierig, eins zu eins nachzuweisen, wie sich das Investment in Präventionsmaßnahmen letztlich in Parametern wie mehr gesunde Lebensjahre niederschlägt, wie Jan Pazourek vom Dachverband einräumt. Aber dass man nun erstmals einen Überblick über die Kosten habe, sei schon ein wichtiger Fortschritt, ergänzt Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der SV-Träger.

  Wie die Vorsorgeuntersuchung künftig aussehen könnte

Er sieht durchaus noch Ausbaupotenzial bei der Vorsorge: Etwa ein flächendeckendes Darmkrebs-Screening, das aktuell in Pilotversuchen in der Steiermark und in Wien erprobt wird. Er kann sich auch vorstellen, dass ein bewährtes Modell aus der SVS auch auf andere Träger ausgeweitet wird. In Sachen Prävention werden zwischen Arzt und Patient konkrete Ziele vereinbart. Werden diese erreicht, gibt es einen finanziellen Bonus. Hier müsse aber intern noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, weist McDonald auf politische Widerstände innerhalb der Kassen hin.

Weiters soll die Vorsorgeuntersuchung weiterentwickelt werden, kündigt McDonald an. Künftig soll dabei stärker auf altersspezifische Faktoren eingegangen werden.  

Männer mit großem Nachholbedarf

Die Gesundheitsökonomin Maria Hofmarcher sieht insbesondere bei Männern großen Aufholbedarf in Sachen Prävention. „Sie gehen deutlich seltener zur Vorsorgeuntersuchung, ab dem 55. Lebensjahr sind bei ihnen die Gesundheitsausgaben pro Kopf deutlich höher als bei den Frauen“, sagt sie zum KURIER.

Umso wichtiger sei es, hier möglichst früh anzusetzen, bereits die Gesundheitsprogrammen in den Schulen, sollten mehr Augenmerk auf die Burschen legen.

Bei Krebs-Vorsorgeuntersuchungen gebe es wiederum Lücken in migrantischen Bevölkerungsschichten, die mit den bestehenden Programmen oft nicht ausreichend erreicht werden.

Apotheken wollen mitmischen

Kritik kommt von der Apothekerkammer: „Die Präventionsbilanz zeigt: Es wird mehr investiert, aber es fehlt das Ziel. Und die Schere zwischen jenen, die von Vorsorge profitieren, und jenen, die sie nicht erreicht, darf nicht weiter aufgehen. Prävention muss fair sein und alle Menschen in Österreich erreichen, nicht nur die gut Informierten und nicht nur jene, die es sich leisten können“, so Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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