
Jakob Falkner ist dafür verantwortlich, dass der Skiweltcup am Wochenende in Sölden startet. Der Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, den in Tirol alle nur als Jack kennen, hat 1993 die Gletscherrennen ins Leben gerufen.
Dass heuer um diese Jahreszeit überhaupt am Rettenbachferner gefahren werden kann, ist nur einem Schneedepot zu verdanken. 60.000 Kubikmeter Frühjahrsschnee wurden „überwintert“ und garantieren den Saisonstart.
KURIER: Hätte man so vor 15 Jahren überhaupt ein Rennen durchführen können?
Jakob Falkner: Das kann man so nicht sagen. Zum einen hat sich die Technologie enorm weiterentwickelt, zum anderen hätte sich die Frage vor 15 Jahren gar nicht gestellt, weil es mehr Schnee am Gletscher gab. Klar ist: Ohne die heutige Technik würden wir das Rennen nicht durchbringen.
Wie wichtig ist der Weltcupauftakt für die Branche?
Wenn die Bilder aus Sölden rausgehen, dann kommen die ersten Buchungen. Schnee und blauer Himmel lösen Emotionen aus, diese Bilder sind mehr wert als Worte – nämlich für die gesamte Branche. Wäre es nicht so wichtig, würden wir den Weltcupauftakt auch nicht machen. Der Aufwand, den wir dafür betreiben, ist nämlich schon enorm.
Wie steht der Wintertourismus in Österreich denn grundsätzlich da?
Weltweit betrachtet sind wir nach wie vor klein. Für viele alpine Regionen ist der Wintertourismus aber das Wichtigste der Welt. Es gibt nicht viele Branchen, in denen Österreich weltweit führend ist: Im Wintersport ist es definitiv so. Wir haben die führenden Unternehmen, wir haben das Know-how. Der Weltanteil der Österreicher am Skimarkt ist enorm, das glaubt man gar nicht bei so einem kleinen Land. Deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, dass man diese Stärke nicht schützt und weiter stärkt. Mit dem Blick auf die Wertschöpfung habe ich kein Verständnis dafür, dass oft so ein Tourismus-Bashing betrieben wurde.
Woran liegt das?
Erstens sind wir eine saturierte Gesellschaft. Zweitens werden viele negative Aspekte, wie zum Beispiel der Verkehr, gerne mit dem Tourismus assoziiert. Ich dürfte das nicht laut sagen, zumindest nicht in Deutschland: Aber wenn man rein vom Umweltgedanken den Vergleich mit dem Oktoberfest zieht, dann kann man alle Tiroler Skigebiete zusammennehmen. Da reden wir aber von einem halben Jahr Wintersaison und nicht nur von 17 Tagen.
Stichwort Umwelt: Gerade der Skitourismus sieht sich immer wieder mit Kritik konfrontiert.
Diese Kritik prallt auch sicher nicht an mir ab. Ich würde aber behaupten, dass wir uns wahrscheinlich mehr mit der Natur beschäftigen als jene Leute, die uns kritisieren.
Wie ist das zu verstehen?
Nur ein Beispiel: Wir haben schon vor etlichen Jahrzehnten am Gletscher auf 3.000 Meter Kanalisationen bis herunter ins Tal gebaut. Zu einem Zeitpunkt, als es in den österreichischen Städten noch nicht überall eine flächendeckende Kanalisation gegeben hat. Uns ist die Natur überhaupt nicht wurscht. Wir verbrauchen sie nicht, sondern wir nutzen sie – das ist ein großer Unterschied. So gescheit sind wir schon, dass wir unsere Grundlage nicht vernichten. Wie hätten sich viele Täler entwickelt ohne den Tourismus? Was wäre die Alternative? Industrie? Dann würde die Natur heute wahrscheinlich anders aussehen.
Covid-Pandemie, Teuerung, Wirtschaftsflaute – der Wintertourismus scheint das alles relativ unbeschadet überstanden zu haben.
Gott sei Dank ist das so. Urlaub ist kein Luxusprodukt, jeder hat …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



