Elyas M’Barek und sein Freundeskreis auf Malle: „Der perfekte Urlaub“

Kultur

Der sehnlichste Inseltraum unserer deutschen Nachbarn heißt Mallorca. Malle, wir kommen, lautet auch das Motto jener Freundesrunde, die bereits in der Enthüllungskomödie „Das perfekte Geheimnis“ für unschlagbaren Kinokassenerfolg sorgte. „Fack Ju Göhte“-Regisseur Bora Dagtekin holt daher zum Fortsetzungsschlag aus und schickt seinen prominent besetzten Bekanntenkreis gemeinsam in den Urlaub.

Oder eigentlich nicht gemeinsam. Denn eigentlich wollen die Paare getrennt oder in Kleingruppen in Spanien chillen, landen dann aber alle in einer luxuriösen Finca. Dort wird zuerst einmal (weiter) gestritten.

Carlotta hat Leo noch immer nicht seinen potenziellen Seitensprung verziehen und durchsucht heimlich seine Handy-Nachrichten. Pepe hat sich geoutet und muss sich von seinen Hetero-Freunden Sextipps für den Schwulenklub geben lassen. Therapeutin Eva nervt mit ihrer Überkorrektheit Ehemann Rocco und alle anderen, während die mitgereiste Carlotta-Jugendfreundin Eva, genannt Maus, den einzigen Junggesellen in der Runde anbrät.

So weit, so mäßig lustig.

Besonders im ersten Drittel verbreitet die hektisch inszenierte Ensemble-Komödie mehr Stress als Spaß. Nachdem allerdings die Finca (aufgrund unsäglicher Drehbuchwendungen) abgebrannt ist, landet der Freundeskreis in dem weit weniger vornehmen All-inclusive-Hotel Playa Romantica.

Dort regiert der Ballermann. „Schon zum Frühstück Bier, scheiß auf Deutschland, wir bleiben hier!“, dröhnt es aus vollen Rohren, während sich alle die Kante geben. Sogar die No Angels treten auf.

Beim morgendlichen Wettlauf um die erste Reihe am Swimmingpool werfen die Gäste ihre Handtücher über die Liegen und braten dann gnadenlos in der Sonne. Ab und zu kommt ein Animateur mit einer Riesenspachtel vorbei und dreht die rot verbrannten Leiber um („Das Filetstückchen will gewendet werden!“). Sogar Leo und sein Anhang gewöhnen sich daran, Vino Bianco aus dem Tetra Pak zu trinken. Mit Strohhalm.

  Schauspielstar Nicholas Ofczarek an Multipler Sklerose erkrankt

Seitensprung

Tatsächlich entsteht die beste Situationskomik in der Reibung zwischen pikierter Bürgerlichkeit und gelebter Ballermann-Kultur – also dicht an der Realität. Je forcierter aber das Drehbuch, desto schwerfälliger das Vergnügen. Die arme Karoline Herfurth hat als eifersüchtige Carlotta den langweiligsten Part und muss sich mit peinlichen Handy-Nachrichten blamieren, die sie an die angebliche Geliebte ihres Leo schickt.

Dem für eine ROMY nominierten Elyas M’Barek als Leo wiederum fällt die Rolle des netten Bussibären zu, der eigentlich nur für das geliebt werden will, was er ist: ein braver Ehemann (wenn er nicht gerade mit Florian David Fitz Zungenkuss übt).

Deftiger schon läuft es zwischen Wotan Wilke Möhring als Chefarzt Rocco und Jessica Schwarz als seiner kontrollierenden Gattin. Seitensprünge werden mit Rollenspielen im Bett abgeglichen, und Möhrings verblüfftes Gesicht beim Anblick seiner strengen Domina-Gattin ist Komik ohne Worte.

Florian David Fitz als schwuler Pepe fällt die Aufgabe der moralischen Instanz zu. Er ist es, der sich nach „echter Liebe“ (und nicht nach schnellem Sex) sehnt und die Gruppe im Kern zusammenhält. Gegen Ende hin darf er dann auch noch eine gefühlsduselige Rede zum Thema wahre Freundschaft halten. Das hätte er besser nicht tun sollen. Diese Form von Kitsch können nur die Amerikaner.

INFO: D 2026. 117 Min. Von Bora Dagtekin. Mit Elyas M’Barek, Karoline Herfurth.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.