
Die Debatte rund um die Öffnungszeiten und die Sonntagsöffnung ist eine, die im österreichischen Handel seit Jahrzehnten geführt wird. Nun hat Neos-Staatssekretär Josef Schellhorn das Thema politisch mit seinen Liberalisierungsvorsschlägen erneut auf den Tisch gebracht. Und damit ist auch die Debatte in der Handelslandschaft neu entfacht.
Vor wenigen Tagen startete Rewe-Österreich-Chef Marcel Haraszti einen Vorstoß und forderte längere Öffnungszeiten für Nahversorgerboxen ohne Personal. Diese werden momentan Supermärkten gleichgestellt und dürfen nur 72 Stunden pro Woche geöffnet sein. Haraszti wünscht sich eine Liberalisierung und die Möglichkeit, die Boxen auch nach 20 Uhr sowie sonn- und feiertags offen zu halten. Entsprechendes sei immerhin auch im Regierungsprogramm vorgesehen.
Aber nicht nur für die Selbstbedienungsboxen will Haraszti mehr Freiheit, sondern auch bei den regulären Billa-, Bipa- oder Penny-Filialen. Für diese sollen die Rahmenöffnungszeiten an Werktagen von 72 auf 78 Stunden ausgedehnt werden. Eine Sonntagsöffnung sei dabei für Rewe kein Thema, sagt Sprecher Paul Pöttschacher dem KURIER. Hier fordere man keine Liberalisierung. Das könnte auch daran liegen, dass Billa sonntags etwa auch durch die Belieferung von insgesamt rund 600 Tankstellenshops am Sonntagsgeschäft mitverdient.
Denn die Nachfrage bei den heimischen Tankstellen ist sonn- und feiertags groß, wie auch Jürgen Stichwirth, Geschäftsführer von Orlen Austria (dem Unternehmen hinter Turmöl), dem KURIER berichtet. Die Kunden würden regelrecht Schlange stehen, das Geschäft mit Lebensmitteln sei für die Tankstellen ein wachsendes.
Kein zusätzlicher Umsatz
Während die Nachfrage bei Nahrungsmitteln gegeben scheint, ist man sich da in anderen Handelssparten nicht so sicher. „Eine Sonntagsöffnung braucht kein Mensch. Das bringt keinen zusätzlichen Umsatz“, sagt XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger im KURIER-Gespräch. Statt dass die Einnahmen insgesamt steigen, würden sie sich auf sieben statt sechs Tage verteilen. Die Händler hätten dann nichts davon, außer „höhere Kosten“, so Saliger.
Anders sieht das WKÖ-Bundesspartenobmann Rainer Trefelik. Dass sich das Öffnen nachts oder sonntags sehr wohl auszahlen kann, zeige die hohe Zahl an illegalen Öffnungen. Hier seien die Strafen zu gering. Weil Händler nachts oder sonntags teilweise ein Vielfaches davon einnehmen, was die Strafe ausmacht, sperren sie immer wieder verbotenerweise auf. Trefelik äußert keine konkrete Forderung hinsichtlich der Öffnungszeiten. Er wünsche sich „faire Bedingungen für alle Händler“. Denn die aktuelle Regelung, die generelle Einschränkungen bei vielen Ausnahmen vorsieht, sei „immer weniger nachvollziehbar“.
Touristiker dafür
Befürworter der Sonntagsöffnung in Tourismusregionen ist Intersport-Austria-Chef Franz Koll. Dass Touristen mehr Zeit zum Einkaufen haben sollen, unterstützt auch die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV). „Festspielgäste in Salzburg stehen vor verschlossenen Läden. In Wien ist die Situation ähnlich. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, kritisierte ÖHV-Präsident Walter Veit bereits im Sommer.
Für eine abgeschwächte Lösung setzte sich kürzlich der Betreiber der SCS Vösendorf und des Donauzentrums, Unibail-Rodamco-Westfield ein. Dieser forderte jährlich sechs bis zehn geöffnete Sonntage. Davon verspreche man sich einen Umsatzschub für die Branche.
Die heimischen Konsumenten wünschen sich nur bedingt liberalere Öffnungszeiten, wie eine Befragung des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) ergab. Demnach spricht sich weniger als ein Fünftel der Befragten für eine Ausweitung unter der Woche und samstags aus. Am Sonntag wollen 38 Prozent der Österreicher einkaufen können. In Wien ist es sogar mehr als die Hälfte der Befragten.
„Wir Österreicher und Österreicherinnen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



