
Die Bedeutung des Sparens hat zugenommen, sagte Erste-Bank-Vorstandschefin Gerda Holzinger-Burgstaller. Für 83 Prozent, so viel wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, sei Sparen wichtig oder sehr wichtig. Bei den Jungen sind es sogar 93 Prozent, wie die am Dienstag präsentierte aktuelle Sparstudie der Erste Bank zeigt.
306 Euro sparen die Österreicher laut der Erhebung im Durchschnitt pro Monat. Das sind 14 Euro weniger als im Vorjahr. Damit zufrieden ist nur etwas mehr als ein Drittel, im Vorjahr waren es noch fast 40 Prozent.
Große Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern. Frauen sparen monatlich im Schnitt lediglich 227 Euro, bei Männern sind es mit 384 Euro 40 Prozent mehr.
Knapp 33 Prozent würden gerne sparen. Sie können aber nicht, weil ihr Geld dafür nicht reicht. Ihre Zahl ist gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte gestiegen.
Sicherheit im Vordergrund
Motive für das Sparen sind unterschiedlich und auch vom Alter abhängig. Im Vordergrund steht die Sicherheit. Die sei in unsicheren Zeiten ein großes Thema, sagte Holzinger-Burgstaller. Der Notgroschen liegt mit 91 Prozent vorne, an Bedeutung gewonnen haben auch finanzielle Absicherung (77 Prozent) und Unabhängigkeit (73 Prozent).
ETFs überholen Bausparen
Mit knapp 80 Prozent bleibt das Sparbuch die meistgenutzte Sparform. Zugelegt haben Wertpapiere (40 Prozent), die damit auch das Bausparen (34 Prozent) überholt haben, das deutlich an Attraktivität verloren hat.
Dazu haben vor allem ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, beigetragen. Die Hälfte der Wertpapierbesitzer investiert in sie. Bei der Generation Z sind es sogar 72 Prozent. ETFs seien für viele der Einstieg in den Kapitalmarkt, sagt Erste-Bank-Privatkundenvorstand Maximilian Clary und Aldringen. „Sie sind breit gestreut und schon mit kleinen monatlichen Beiträgen möglich.“
Aber auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während nur 32 Prozent der Frauen in Wertpapiere investieren, sind es bei den Männern 48 Prozent.
Die Bank Austria kommt mit ihrem ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Finanzmonitor zu einem ähnlichen Ergebnis. Auch sie berichtet von einem steigenden Interesse an Wertpapieren. 36 Prozent seien bereits selbst investiert, heißt es.
Starke Kursanstiege und geopolitische Unsicherheiten haben laut der Sparstudie der Erste Bank auch Gold und Edelmetalle einen Schub verpasst. Sie legten um 6 Prozentpunkte auf 30 Prozent zu.
Unterstützung für Zukunftsdepot
Das von der Regierung geplante Zukunftsdepot, das eine jährliche steuerfreie Veranlagung von 5.000 Euro pro Kind vorsieht, unterstützt die Erste Bank. „Wir hoffen auf einen raschen Beschluss und planen, dass wir Anfang 2027 dafür bereit sind“, sagte Holzinger-Burgstaller.
Eine Konkurrenz für das von ihrer Bank angebotene Generationendepot sieht sie nicht. Das sei viel breiter angelegt und ermögliche Veranlagungen für einen größeren Personenkreis, sagte die Erste-Bank-Chefin. Man werde aber nach Möglichkeiten suchen, es mit dem Zukunftsdepot zu kombinieren.
Der Weltspartag, der heuer am 30. Oktober stattfindet und der auch Anlass für die Sparstudie der Erste Bank ist, hat trotz geänderten Sparverhaltens nicht an Strahlkraft verloren. Im Gegenteil. Für mehr als ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher ist er nach wie vor ein Grund, eine Bankfiliale aufzusuchen. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2019 waren es lediglich 17 Prozent.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



