
Wie viel Geld Österreich jedes Jahr für Importe von Erdöl und Erdgas ausgibt, ist mittlerweile vielen Leuten bekannt. 10 Milliarden Euro sind dabei aber nur ein Überschlagswert. „Heuer wird’s mehr“, sagt Christoph Dolna-Gruber von der Energieagentur. Gegenüber der Zeit vor dem Ukraine-Krieg hat das Land aktuell 950 Millionen Euro Mehrkosten für importiertes Rohöl, 780 Millionen Euro Mehrkosten für Gas und 1,6 Milliarden Euro Mehrkosten für Diesel. Das Geld fließt fast ausschließlich ins Ausland und erzeugt in Österreich nur minimale Wertschöpfung. Mit mehr selbst erzeugter erneuerbarer Energie könnte die Sache ganz anders aussehen. Wie, das soll die neue Webseite „Kompass Energieunabhängigkeit“ aufzeigen.
Energiekunden sollen auf die Reise mitkommen
„Am Nationaltag gedenken wir der politischen Unabhängigkeit Österreichs. Wir wollten uns ansehen, wo wir bei der Unabhängigkeit der Energieversorgung stehen“, sagt Barbara Schmidt, Geschäftsführerin von Oesterreichs Energie. Der Branchenverband der Elektrizitätswirtschaft hat die Webseite gemeinsam mit der Energieagentur kreiert. Warum? „Die Akzeptanz der Energiewende ist schon hoch, aber es gibt Felder, wo sie infrage gestellt wird“, sagt OeE-Präsident Michael Baminger. Durch transparente Information sollen Menschen besser „auf die Reise mitgenommen“ werden.
Österreich ist derzeit zu 41 Prozent eigenversorgt
Bei der Eigenversorgung mit Energie erreicht das Land derzeit 41 Prozent, erklärt Dolna-Gruber. „Über ein Jahr gerechnet kommen wir bis Ende Mai aus, für den Rest des Jahres sind wir von Importen abhängig.“ Das liegt vor allem am hohen Anteil von fossiler Energie in Verkehr, Industrie und Raumwärme. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren aber bereits stark verbessert. Bei der neu installierten Leistung von Solar-, Wind-, Wasser– und Biomassekraftwerken liegt Österreich – vor allem wegen des Photovoltaik–Booms – über dem Zielpfad des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes. Die tatsächliche Erzeugung erneuerbaren Stroms mit den vorhandenen Kraftwerken hinkt jedoch hinterher. Das liegt an der Witterung, über die man keine Kontrolle habe. „Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen“, so Baminger.
Fossile Importe haben viele versteckte Zusatzkosten
Das Geld für fossile Importe könnte man jedenfalls besser investieren. Um 10 Milliarden Euro könnte man theoretisch 1.000 Windkraftwerke pro Jahr bauen. Kauft man um das Geld Öl und Gas im Ausland ein, gebe es eine Reihe unsichtbarer und unterschätzter Zusatzkosten, sagt Dolna-Gruber. Ein großer Teil der Rohölimporte stamme derzeit etwa aus Kasachstan, fließe über eine russische Pipeline zu einer Verladestelle am Schwarzen Meer, werde per Schiff nach Triest transportiert und fließe durch eine einzige Pipeline nach Schwechat. Dadurch bestehe das enorme Risiko eines Totalausfalls, was sich in hohen Versicherungskosten niederschlägt.
Außerdem seien mit fossilen Importen schwankende Preise, darauf folgende staatliche Subventionen, hohe Umwelt- und Gesundheitskosten (durch Emissionen) und eine geschwächte Verhandlungsposition Europas mit anderen Weltmächten verbunden. „Energieunabhängigkeit hat viele Facetten“, sagt Dolna-Gruber. In den kommenden Monaten werde man die Online-Plattform um viele davon bereichern.
Mehr Unabhängigkeit heißt nicht Isolation
Mehr Unabhängigkeit sei nicht mit Autarkie und Isolation zu verwechseln. Importe werden weiterhin notwendig sein und bringen auch Vorteile. „Ein integrierter europäischer Strommarkt ist wichtig, um Flexibilität zu erzeugen und Schwankungen auszugleichen“, sagt der Experte der Energieagentur. „Aber wir haben die Möglichkeit, selbst mehr zu erzeugen.“ Das brächte auch mehr Wertschöpfung im Inland.
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft



