Angriffe nach den Midterms? Der Iran-Krieg könnte erneut eskalieren

Politik

Es ist bereits nach drei Uhr früh Ortszeit, als der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Likud-Wahlkampfbüro in Jerusalem die Bühne betritt. Einige Stunden zuvor haben die Wahllokale in Israel geschlossen. Zwar hat Netanjahus rechtsreligiöser Block die notwendigen 61 Knesset-Sitze  nicht erreicht (siehe hier). Vor Anhängern ruft er dennoch zur Bildung einer „starken, rechtsgerichteten Regierung“ auf. 

Bevor er abtritt, richtet er noch eine Botschaft an den Erzfeind Iran: Solange das fanatische Mullah-Regime bestehe, „werden sie weiter versuchen, uns zu zerstören“, sagte er. Gemeinsam mit den USA müsse Israel „diese Bedrohung ein  für alle mal beseitigen“. Es biete sich eine „einzigartige Gelegenheit“.

Tatsächlich rechnen Beobachter längst mit einer bevorstehenden Eskalation im Nahen Osten. So soll Netanjahu schon vor der Parlamentswahl auf einen neuen Militärschlag gegen Teheran gedrängt haben. Israelische Streitkräfte haben Berichten zufolge ihre Übungen intensiviert und etwa Flugzeuge über dem Irak eingesetzt, um Angriffsmanöver zu üben.

Das Ergebnis der israelischen Parlamentswahl, das erst in einigen Tagen feststeht, oder ein potenzieller Machtwechsel in der Knesset dürfte daran nichts ändern. Denn bis eine neue Regierung gebildet ist, dürften Wochen oder sogar Monate vergehen. So lange bleibt Netanjahu im Amt.

Kriegsziele nicht erreicht

Bisher ist er jedoch offenbar an US-Präsident Donald Trump gescheitert, der zwar zweimal in Netanjahus Krieg gegen den Iran eingestiegen ist. Bis zu den Zwischenwahlen zum Kongress hat Trump aber öffentlich angekündigt, auf Angriffe zu verzichten. Zu groß ist die Gefahr, die Treibstoffpreise in den USA weiter in die Höhe zu treiben. Und Trump weiß auch, dass der Krieg bei seinen Wählern unbeliebt ist. Laut einer Anfang Oktober veröffentlichten Umfrage des Pew Research Center lehnen 65 Prozent der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner den Krieg ab, nur 33 Prozent befürworten ihn.

  Mit bizarrem Trick: US-Demokraten führen Wähler in die Irre

Nach dem 3. November dürfte ihm das aber offenbar egal sein. Die Vereinigten Staaten würden den Krieg „direkt nach der Wahl“ gewinnen, sagte Trump vor einigen Wochen. Wie das Wall Street Journal nun berichtet, haben die USA mehreren arabischen Golfstaaten mitgeteilt, sie sollten sich auf eine kurze, intensive Militärkampagne vorbereiten. Die US-Streitkräfte in der Region hätten ihre Munitionsvorräte aufgefüllt, und Bomber und Kampfjets würden für Luftangriffe bereitgemacht. Eine weitere Flugzeugträgerkampfgruppe sowie eine Expeditionseinheit der Marineinfanterie stünden bereit, so die Zeitung. 

Außerdem verlege das US-Militär Berichten zufolge ein zusätzliches Patriot-System aus Texas nach Israel, um die dortige Raketenabwehr zu verstärken. Von besonders verwundbaren Stützpunkten im Nahen Osten seien Truppen abgezogen worden.

Ziele könnten Medienberichten zufolge unter anderem die iranische Energieinfrastruktur, Nuklearanlagen, sowie das Raketen- und Drohnenarsenal sein. In den vergangenen Wochen mehrten sich zudem Gerüchte, dass dabei auch die GBU-43/B zum Einsatz kommen könnte. Sie ist die größte nicht atomare Bombe im US-Arsenal und wird auch „Mutter aller Bomben“ genannt.

Flächenbrand droht

Offenbar strebt Trump einen Angriff an, den er als militärischen Sieg präsentieren kann, um anschließend den Krieg zu beenden. Das birgt jedoch die Gefahr, einen weitaus größeren Krieg im Nahen Osten loszutreten, wie Hamidreza Azizi von der International Crisis Group in einer Analyse schreibt.

Teheran verfügt noch immer über große Raketenbestände und würde kein schnelles Kriegsende erlauben. Stattdessen könnten die Mullahs Schläge – etwa auf zivile oder sensible Ziele wie Unterseekabel …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.