Musks „Odyssee“ aus der KI: Wenn sich der Algorithmus erbricht

Kultur

Homers „Odyssee“ hat in diesem Jahr ziemlich langfristig den Diskurs beherrscht. Nicht schlecht für einen mehrere Jahrhunderte alten Stoff. Erstmal wurde aufgeregt und nur wenig verhohlen rassistisch debattiert, dass in Christopher Nolans Hollywood-Umsetzung des Epos die schöne Helena von einer schwarzen Schauspielerin (Lupita Nyong’o) gespielt wird. Dann kam der Film ins Kino und war überraschend Gesprächsstoff Nummer eins. Na gut, Nummer zwei, weil Hitze. Er bot einige Angriffsflächen, ob für Häme (Nolan hatte sich entschieden, in einem bestimmten IMAX-Format zu drehen, dass weltweit nicht übertrieben viele Kinos abspielen können) oder für wissenschaftlich fundierte Kritik, etwa von der britischen Homer-Übersetzerin Emily Wilson.

Gänzlich unakademisch, dafür umso ideologischer kam die Geringschätzung von Techmilliardär Elon Musk daher. Er hatte bereits im Vorfeld Nolan „Anti-Weißen-Rassismus“ attestiert. Zum Kinostart der „Odyssee“ verkündete er dann, dass sein KI-Programm die Dinge in die Hand nehmen soll: „Noch vor Ende des Jahres wird Grok Imagine einen abendfüllenden Film über die Odyssee machen, der historisch korrekt ist und Homers Werk gerecht wird“.

Historisch korrekt?

Alle, die sich damals gefragt haben, wie das jetzt genau geht mit der historischen Korrektheit bei einäugigen Riesen und Zauberinnen, der kann sich jetzt ein Bild machen. Also, eigentlich nicht. Denn in der „ersten Episode“ dieser von der KI erstellten „Odyssee“, die Grok Imagine vergangene Woche online gestellt hat, kommen die sicherheitshalber gar nicht vor.

In dem siebenminütigen Clip wird Odysseus, der sich verrückt gestellt hat, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen, enttarnt. Also zieht er doch in den Krieg, auf Schiffen mit Männern, die irgendwie alle auch so ein bisschen wie Odysseus aussehen. Dann kommen sie alle in Troja an und sind zehn Jahre später immer noch da. Das ist die Kurzinhaltsangabe. Ja, mehr wird’s nicht.

  „Ich umarme Sie“: Bekannter ORF-Korrespondent nimmt Abschied

Unter dem Beitrag auf X perlen die mitunter durchaus fassungslosen Urteile: „Großartig, ich hasse es. Hat nur 86 Trillionen Gallonen Wasser verschwendet“, zum Beispiel. Oder „Das ist algorithmisches Erbrochenes, das sich als Kunst verkleidet“. Auch professionelle Kritiker haben wenig Zurückhaltung gegenüber dem KI-Werk walten lassen. Der „Guardian“ ist der Meinung, es ist „so bedeutungslos wie ein Laptop-Bildschirmschoner“. Die FAZ sieht nicht viel mehr als „Meer, Männer, Matsch und Mähnen“. Tatsächlich ist Groks Parallel-Odyssee auf zwei Ebenen von beachtlicher Kläglichkeit. Auf den ersten Blick mag man – je nach Branchenzugehörigkeit – beeindruckt oder erschrocken sein, was Künstliche Intelligenz schon in der Filmproduktion zustandebringt. Ja, eh, alle Mitwirkende haben jetzt die richtige Anzahl an Fingern.

Ein Mann und sein Krug

Aber die glänzende Oberfläche trügt: Penelope, die Frau des Odysseus, hat hier in jeder Szene ein anderes Gesicht. Ein bisschen faul war man auch: Einem König wie Odysseus hätte man durchaus ein bisschen mehr Interieur als Sessel, Tisch und Krug ins Wohnzimmer prompten können. Odysseus’ Schiffe legen auch rechtzeitig vor Troja einen gewaltigen Turbo ein – obwohl die Ruder das Wasser gar nicht berühren.

Den Figuren merkt man in jeder Sekunde an, dass in ihnen nur Daten und kein Blut fließt. Weil ihre Augen leer, kalt und seelenlos sind, weil ihre Gesichter nur eine Handvoll Regungen zeigen (unter anderem wiederholtes, komplett deplatziertes Lächeln), weil sie …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.