Handelsverband-Chef Will: „Das ist aus der Zeit von Maria Theresia“

Politik

In der ORF-Pressestunde hat Holger Bonin, Leiter des österreichischen Instituts für Höhere Studien (IHS), den Angestellten im Handel die Zukunftsperspektive abgesprochen. Im Handelsverband kann man diese Aussage nicht nachvollziehen.

KURIER: Herr Will, in der ORF-Pressestunde hat der Wirtschaftsforscher Holger Bonin Handelsangestellten geraten, sich andere Jobs zu suchen, weil er im Handel keine Zukunftsbranche sieht. Wie haben Sie das aufgenommen?

Rainer Will: Als Irrläufer. Klar, wir haben eine schwierige Übergangssituation im Handel durch Veränderungen in der Digitalisierung durch die Künstliche Intelligenz, aber der Handel bleibt eine Chancenbranche für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im Vergleich zu anderen Branchen haben wir die geringste rückläufige Entwicklung bei der Beschäftigung. Wir sind ein Faktor in der Krise. Wir halten die Beschäftigten auch, wenn es einmal schlechter geht.

Reden Sie da nur vom Onlinehandel oder auch vom stationären Handel?

Auch vom stationären Handel. Teilweise hat der internationale Onlinehandel mit unfairen Mitteln gearbeitet, aber 87 Prozent der Umsätze in Österreich gehen noch über den Kassentisch. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir wollen uns beraten lassen, daher hat der stationäre Handel mehr Zukunft denn je, auch wenn er sich verändert.

Haben Sie mit Herrn Holger Bonin nach diesen Aussagen schon Kontakt gehabt?

Nein, noch nicht. Aber wir werden auf jeden Fall das Gespräch mit ihm suchen. In der Praxis ist die Situation ja eine völlig andere. Wir haben völlig neue Geschäftsmodelle, wie den E-Commerce, wir bieten Ausbildungen an, die die Mitarbeiter voranbringen. Zurzeit haben wir mehr als 8.000 Vollzeit-Stellen zu besetzen. Und man kann im Handel große Karrieren machen, von Lehre über Filialmanagement bis hin zu Führungspositionen, selbst mit Teilzeit.

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Der Anlass für die Aussage war ja die Diskussion über die aktuellen Gehaltsverhandlungen. Die Gewerkschaft will ein Plus von 3,8 Prozent. Ist das für Sie eine Grenze, von der Sie sagen, damit kann der Handel leben?

Für uns ist entscheidend, dass wir unseren Beschäftigten die nötige Wertschätzung ausdrücken, aber gleichzeitig beim Gehaltsabschluss die Arbeitsplatzsicherheit in den Vordergrund stellen. Niemand ist geholfen, wenn es zu einem überzogenen Abschluss kommt, die Arbeitsplätze dann aber nicht gehalten werden können. Wir haben immer einen Kompromiss gefunden, der weder die Arbeitgeber noch die Arbeitnehmer über Gebühr belastet.

Aktuell gibt es wieder einmal eine Forderung nach längeren Ladenöffnungszeiten, die Neos-Staatssekretär Schellhorn angestoßen hat.

Da bestimmt der Standort vielfach den Standpunkt. Wenn Sie drei Händler fragen, wie diese dazu stehen, werden Sie fünf verschiedene Antworten erhalten. Die Öffnungszeiten sind am Ende immer nur dann interessant für die Händler, wenn es zu keiner Umsatzumverteilung kommt. Sich eine Öffnung am Sonntag zu leisten, ist für den Handel schwierig, weil durch hohe Zuschläge das doppelte Gehalt zu zahlen ist. Dazu kommt noch ein Zeitausgleich. Das ist für viele Händler nicht leistbar, sodass viele kleine Innenstadthändler deshalb schon am Samstag um 13 Uhr schließen müssen. Wenn man das vorwärts denken möchte, dann muss man bei einer Liberalisierung breiter ansetzen. Dafür braucht es aber eine Kostenhygiene.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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