Neues Album von Get Well Soon: Fragen an Kurt Cobain und Jesus

Kultur

Ein „Monster, zusammengeflickt aus Leichenteilen“ ist Künstliche Intelligenz für Get-Well-Soon-Mastermind Konstantin Gropper. Es hat gute Gründe, dass der deutsche Indie-Pop-Musiker so denkt. Er hat sich für sein neues Album „Séance“, bei dem die üppigen Indie-Sounds zu Gunsten von Dark-Wave-Elementen in den Hintergrund treten, ausführlich mit diesem Thema beschäftigt.

„Hinter der Monster-These steckt, dass die KI nur Dinge wiedergeben kann, die in die Tools eingegeben wurden“, erklärt Gropper im KURIER-Interview. „Damit führt uns ein Modell in die Zukunft, das nur auf die Vergangenheit zugreifen kann und nicht visionär ist. Und ,Séance’ heißt das Album, weil Kommunikation mit der KI wie eine Kommunikation mit einem übernatürlichen Wesen ist.“

Reicht für einen Gag

Die Idee zu dem Album entstand vor ein paar Jahren, als die größte Angst war, dass die KI den Musikern die Jobs wegnehmen wird. Damals wollte Gropper versuchen, sie in den Schaffensprozess zu integrieren, anstatt sie zu verteufeln, ließ KI-Tools nach seinen Vorgaben Musik erstellen. Aber: „Was dabei rauskam, war langweilig. Sowas reicht für einen Gag, wenn man jemandem einen Geburtstags-Song schenken will. Aber wenn man es künstlerisch nützen will, braucht es sehr viel Zeit, das so zu bearbeiten, dass es spannend wird. Mehr, als wenn man es selbst macht.“

Gropper blieb deshalb beim DIY-Schaffensprozess, widmete aber jeden Song einem bestimmten Aspekt der KI. Bei der Musik ließ er sich von der KI nur minimal helfen, etwa beim Verändern seiner Stimme, dass sie im Song „The Undead Choir“ wie ein Chor der Untoten klingt.

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Halluzinationen

Bei den Texten hat Gropper die KI zum Recherchieren verwendet. Denn wie immer geht er von wahren Begebenheiten aus, aus denen er seine Storys entwickelt. „Hallucination No.4“ ist eine Kollage aus vier verschiedenen sogenannten Halluzinationen der KI: „Künstliche Intelligenz ist ein people pleaser. Wenn sie keine Antwort findet, schreibt sie Blödsinn, was man Halluzination nennt. Das ist für den täglichen Gebrauch aber natürlich fatal.“

Auch die Songs „Human Potential Advisor“ und „Holiday In Lily Dale“ beziehen sich auf diese KI-Eigenschaft, spielen auf den kleinen Ort Lily Dale im Bundesstaat New York an, in dem vorwiegend spiritistische Medien leben. „Ich habe eine Doku über diese Medien, die sich Human Potential Advisor nennen, gesehen“, erzählt er. „Sie sagen, dass ihre Klienten nur Bestätigung suchen, und sie ihnen nie etwas Negatives sagen würden, selbst wenn sie das bei einer Séance hören würden. Genau das macht auch die KI.“

Für „Siri, What Ruined The West?“ hat Gropper zwar nicht direkt Siri diese Frage gestellt, aber Apps wie „Hello History“. „Darüber kann man mit Personen aus der Geschichte chatten, wobei die Antworten aus Zitaten und Biografien dieser Leute erstellt werden. In meinem Fall habe ich diese Frage unter anderen Kurt Cobain, Karl Marx, Jesus und Hannah Arendt gestellt.“

Untot

Der Song „Nothing Is Lost“ behandelt das Thema Deadbots, KI-basierte Programme, die Verstorbene simulieren. Gropper beschreibt das aus der Sicht eines Paares, bei dem ein Partner für den anderen digital erhalten bleiben will, der andere das aber ablehnt, weil das Loslassen ein wichtiger Teil das Trauerprozesses ist. Und „Khaleesi“ entstand, weil sich in den USA ein Teenager aus Liebe zu einem …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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