Faust und Liszt: Mitreißender Pakt mit dem Teufel

Kultur

Helmut-Christian Mayer

Wie viele andere Künstler verschiedenster Genres sollte der „Faust-Stoff“ auch Franz Liszt sein Leben lang begleiten und ihn zu mehreren Werken inspirieren. So zu den „Zwei Episoden zu Lenaus Faust“, worin sich der Komponist im Gegensatz zu Goethe an ein naturalistisches Programm hält. Liszt stand der Deutung von Nikolaus Lenau, dem Gedicht einer Verarbeitung des Stoffes aus 1836, die Faust als schwachen Charakter sieht, der von Mephisto manipuliert und schließlich in den Selbstmord getrieben wird, durchaus näher.

Orgiastischer Tanz

Die zwei prächtigen Orchesterbilder, die fast an Filmmusik erinnern, wie „Der nächtliche Zug“ mit einer vorüberziehenden Prozession und Faust in Verzweiflung zurücklassend und „Der Tanz in der Dorfschenke“, wo Mephisto einen orgiastischen Tanz aufführt, dem bekannten „Ersten Mephisto-Walzer“, wurden jetzt zum Finale des Lisztfestivals in Raiding bei einer Matinee mitreißend und reich differenziert gestaltet. Dafür sorgte die Wiener Akademie, hier schon seit Jahren „Orchester in Residence“, unter ihrem stets animierenden Gründer und Künstlerischen Leiter Martin Haselböck.  

Da das Konzert unter dem Motto „Pakt mit dem Teufel – Faust Mythos“ stand, durfte natürlich auch Liszts größte und bedeutendste Orchesterkomposition, seine „Faust-Sinfonie“, nicht fehlen.  Das Hector Berlioz gewidmete dreisätzige Mammutwerk, dem keine Handlung, sondern nur die Porträtierung der Charaktere Faust, Gretchen und Mephisto zugrunde liegt, zählt zu den avantgardistischen Kompositionen Liszts.

Extrem kühn

Die für die Entstehungszeit (1854-57) in Weimar extrem kühne Komposition, die die Tonalität immer wieder in Frage stellt, wurde vom Orchester mit seinem komplexen Klangkosmos, abgesehen von einigen Perfektionsmängeln unter dem energischen Dirigat immer spannungsgeladen, vital, mit leuchtendem Farbenreichtum und einem transparenten Klangbild wiedergegeben.

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Viel Applaus!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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