
„Mein Name ist, und Donald Trump, schreiben Sie mit, Abdulrahman Mohamed El-Sayed.“
Es war „Abdul“, wie er sich nennt, El-Sayeds letzte Wahlkampfveranstaltung in Detroit, Michigan. Der bullige 42-Jährige, Sohn ägyptischer Einwanderer, war in seinem Element, er gilt als einnehmender, mitreißender Redner: Die Ärmel seines schwarzen Pullovers hochgeschoben, eine Hand lässig in der Hosentasche seiner Jeans, spottete über den US-Präsidenten, der seinen Namen bewusst und wiederholt falsch ausgesprochen hat – wie seinerzeit beim New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. Den Hohn machte sich der eine wie der andere zu Eigen. „Mir ist es egal, ob Trump meinen Namen aussprechen kann oder nicht. Ab morgen kann er mich Senator nennen“, rief El-Sayed seinen jubelnden Anhängern zu.
In der Nacht auf Mittwoch wurde El-Sayeds Prognose wahr: Er sitzt künftig für den Bundesstaat Michigan im Senat – als erster muslimischer Senator.
Rassistische Anschuldigungen
Seine Religion, die El-Sayed selbst im Wahlkampf kaum zum Thema machte, ist nicht die einzige Auffälligkeit: Er ist wohl der progressivste, am weitesten links stehende Kandidat, der bei diesen Wahlen gewonnen hat. Dass er von seiner Partei aufgestellt wurde, wurde auch als Risiko gesehen; lediglich der linke Flügel um Senator Bernie Sanders und Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez unterstützte ihn von Beginn an.
Obwohl kein Mitglied der Democratic Socialists of America (DSA), teilt er viele Positionen der Organisation: Seinen Wahlkampf baute der Mediziner um die Forderung einer staatlichen Krankenversicherung für alle und den Kampf gegen den politischen Einfluss der Superreichen. „Money Out of Politics. Money in Your Pocket. Medicare for All“, also „Geld raus aus der Politik. Geld in deine Tasche. Krankenversicherung für alle“, lautete sein Slogan. Trump nannte El-Sayed einen „kommunistischen Loser“ – bei den Midterms siegte er nun mit über 300.000 mehr Stimmen als sein republikanischer Herausforderer.
Ähnlich wie Mamdani bespielt auch El-Sayed gekonnt die Sozialen Medien, postet persönliche Einblicke ins Familienleben, wie er als „Girls Dad“ seine Töchter zu Bett bringt, oder Wahlkampfclips, in denen er auf persönliche Angriffe reagiert. Viral ging seine Verteidigung, als er bei einer Wahlkampfveranstaltung auf die Frage eines Wählers reagierte, wie er zur Muslimbruderschaft stehe – Trump und andere politische Gegner hatten ihn im Wahlkampf als „Dschihadisten“ und „Terror-Sympathisanten“ rassistisch diffamiert. „Sie stellen in den Raum, dass ich, weil ich ein Muslim bin, etwas anderem loyaler gegenüber bin als unserer Verfassung“, antwortete El-Sayed. „Haben Sie diese Frage auch ihren Freunden gestellt?“
Konflikt mit eigener Partei
Dass die Republikaner El-Sayeds familiäre Herkunft besonders zum Thema machten, liegt auch an dessen Position im Nahost-Konflikt, der im Wahlkampf in diesem Bundesstaat eine besondere Rolle einnahm: Der designierte Senator vertritt eine dezidiert pro-palästinensische Haltung, fordert die Einstellung der US-Militärhilfe für Israel und plädiert für ein Waffenembargo. Die demokratische Partei hat das vor eine Zerreißprobe gestellt: Seine parteiinterne Gegnerin Haley Stevens, eine Kandidatin aus dem moderaten Etablissement der Demokraten, deren Vorwahlkampf vom US-amerikanisch-israelischen AIPAC finanziert wurde, warb wenige Tage vor den Midterms gar für El-Sayeds republikanischen Gegenkandidaten – ein Tabubruch.
Die Demokraten hatten zu befürchten, dass ihnen diese parteiinternen Streitigkeiten den Sieg in Michigan kosten könnte. Kurz darauf schlossen sie Stevens aus der Partei aus – ein ebenso riskanter Schritt, …read more
Source:: Kurier.at – Politik



