
Im Wettlauf um die Vorherrschaft auf dem Mond (und damit auch dem Zugang zu Rohstoffen dort) liefern sich die USA und China im Verbund mit Russland einen beinharten Konkurrenzkampf. Entscheidend dabei: Wem gelingt es als Erstem, die nötige Energieversorgung für künftige Aktivitäten auf dem Erdtrabanten sicherzustellen. Beide Seiten setzen dabei auf kleine, nukleare Mondreaktoren, was laut Experten aber jede Menge Gefahren birgt.
Ursprünglich war es der Plan der NASA, in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre eine 40-Kilowatt-Anlage auf den Mond zu schießen. Doch dann übernahm US-Präsident Donald Trump abermals das Ruder – und machte Druck.
Die Folge: Bereits in vier Jahren soll der Reaktor fertig sein und nicht 40, sondern gleich 100 Kilowatt Leistung erbringen (damit könnte man in etwa 80 US-Haushalte mit Energie versorgen). Experten bezweifeln, dass dieses ehrgeizige Ziel erreichbar sein wird. Zumal das gesamte Projekt sehr komplex ist und auch die geplante Landung von Amerikanern auf dem Mond, ursprünglich schon für 2024 geplant, auf 2028 verschoben werden musste.
Realistischer erscheint Wissenschaftlern der Zeitrahmen Chinas. Die Machthaber dort wollen in zehn Jahren ihren Mondreaktor in Betrieb nehmen. Und setzen dabei auf die Expertise Russlands. Tatsächlich sind die Physiker dort führend, was nukleare Weltraumenergie anbelangt.
Und die ist auf dem nahen Erdtrabanten unerlässlich. Denn während der (kalten) Mondnächte, die sich über zwei Wochen erstrecken, sind die Solarpaneele außer Funktion. Doch für etwaige Siedlungen oder Bergbau-Aktivitäten benötigt man unbedingt Energie. Zudem können solche Kraftwerke auch dazu genutzt werden, das auf dem Mond vorhandene Wasser zu schmelzen und dann mittels Elektrolyse in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. So können Atemluft und Raketentreibstoff gewonnen werden – Letzteres für weiterführende Missionen im Weltall.
Doch wie funktionieren solche Mini-AKWs? Mit den hochkomplexen Atomkraftwerken auf Erden haben diese „extra-terrestrischen“ Reaktoren wenig gemein. Sie bauen auf einfachsten und teils sehr alten Prinzipien auf. „Alles muss möglichst resilient sein, damit möglichst wenig kaputtgehen kann. Je robuster eine Technologie, desto wahrscheinlicher ist der Erfolg der Mission“, sagt Christian Reiter, Professor für Angewandte Kerntechnologie, der ARD. Solche Anlagen zur Kernspaltung müssen allein deswegen schon extrem widerstandsfähig sein, weil auf der Mondoberfläche Temperaturen zwischen plus 130 Grad bis minus 170 Grad gemessen werden.
Vertrag aus 1967
Die USA haben jetzt auch deswegen ihre Anstrengungen für einen Mondreaktor intensiviert, weil sie fürchten, dass um ein etwaiges chinesisch-russisches Pendant Sperrzonen geschaffen werden und so (territoriale) Fakten geschaffen werden könnten sowie Alleinnutzungsansprüche. Tatsächlich aber regelt ein Vertrag aus dem Jahr 1967, den auch die Vereinigten Staaten ratifiziert haben, dass der Weltraum – und mit ihm der Mond – der gesamten Menschheit gehört.
Daraus leiten Juristen ab, dass auf dem Erdtrabanten niemand seine „Claims“ abstecken und auch nicht Rohstoffe im Alleingang abbauen darf. Fraglich ist freilich, ob sich in Washington wie in Peking noch jemand daran halten will.
Dabei, so warnen Wissenschaftler eindringlich, sind mit der geplanten Errichtung solcher Mondreaktoren zahlreiche Risiken verbunden. Das beginnt schon beim terrestrischen Abschuss durch eine Rakete. Zwar seien die Anlagen bis zu ihrer Ankunft auf dem Mond außer Betrieb, heißt es, und das Uranbrennmaterial sei „kalt“, wodurch es selbst beim Aufprall auf der Erde nur eine geringe Gefahr …read more
Source:: Kurier.at – Politik



