Ist der Demokraten-Sieg wirklich historisch?

Politik

Seit Jahrzehnten sei den Demokraten ein solcher Sieg nicht gelungen, jubelte mancher Kommentator: Die „blaue Welle“, die die Republikaner bei den Midterms hinweggefegt hat, sei „historisch“, hieß es. Stimmt das?

Ein Blick in die US-Geschichte beweist das – wenngleich es schon öfter solche Erdrutschsiege gab. 1994 etwa, da war Bill Clinton gerade mal zwei Jahre im Amt, verloren die Demokraten 54 Sitze im Repräsentantenhaus; 2010 unter Obama waren es sogar 63. Diesmal büßten Trumps Republikaner 30 Sitze ein – noch ist die Auszählung aber nicht beendet, minus 43 wären möglich. Nimmt man den Senat hinzu, wo die Demokraten sieben Sitze gutmachten (und das in erzroten Staaten wie Texas, Kansas oder South Carolina), konnten die „Blauen“ im Popular Vote 13 Prozentpunkte aufholen – das ist die größte „blaue Welle“ seit der Nixon-Ära. Nur 1974, nachdem der Watergate-Skandal Nixons Karriere beendet hatte, stürzten die Republikaner fast so stark ab.

Dass der Sieg historisch ist, belegen auch andere Kennzahlen. Etwa, dass die Republikaner in 99 Prozent der Wahlbezirke verloren, in reichen, armen, städtischen und ländlichen: im Schnitt sank ihr Stimmenanteil um 8 Prozentpunkte gegenüber Trumps Ergebnis von 2024. Die Demokraten wurden also nicht nur von ihrer weißen, gut situierten Stammwählerschaft und Schwarzen getragen, sondern auch von Latinos und verprellten Republikanern.

Historisch ist auch, dass es ganze 94 Jahre her ist, dass in Kansas ein Demokrat in den Senat gewählt wurde. Adam Hamilton, einem unaufgeregten Pastor, ist das Kunststück gelungen; er hängte seinen Konkurrenten um fünf Prozentpunkte ab. Noch mehr, nämlich 12 Prozentpunkte Abstand, hatte James Talarico in Texas: Der „progressive Christ“ ist der erste Demokrat seit 1988, der es aus dem roten Bundesstaat in den Senat schafft.

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Relevant ist auch, dass 4 Staaten erstmals eine „Person of Color“ an ihrer Spitze haben werden, vier bekommen erstmals eine weibliche Gouverneurin. Georgia ist in diesen Kategorien mit Demokratin Keisha Lance Bottoms doppelt vertreten – sie ist die erste schwarze Gouverneurin der Geschichte.

Selbst in Florida, Trumps Wahlheimat, trugen die Republikaner nur einen bitteren Sieg davon. Der Bundesstaat blieb zwar der signifikanteste rote Fleck auf der sonst eher blauen US-Karte, doch auch dort holten die Demokraten massiv auf – im Senatsrennen lagen sie nur 3 Prozentpunkte hinter der Konkurrenz. Wegweisend ist das vor allem wegen der Kandidatin: Angie Nixon ist Mitglied der „Democratic Socialists“, dem linken Flügel der Demokraten – und damit eigentlich das klassische Feindbild der Konservativen.

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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