„Kein Platz für Joker“ im Off-Theater: Der missbrauchte Clown

Kultur

Das Off-Theater pflegt seit Jahren seine Tradition, legendäre Kinofilme mit österreichischen Theaterstücken zu verbinden. Für seinen aktuellen „Mash up“ ließ sich der Leiter des bernhard.ensembles, Ernst Kurt Weigel, von Felix Mitterers Drama „Kein Platz für Idioten“ und von Todd Philipps Marvel-Comic-Verfilmung „Joker“ inspirieren.

Er verlegt das Ergebnis „Kein Platz für Joker“ in ein Bierzelt. Ein Moderator versucht die Stimmung mit sexistischen Witzen anzuheizen, lässt ein bisschen Kritik am ORF ab und bereitet dem Bürgermeister den Boden für seinen populistischen Auftritt. Der schwingt unverständliche Reden, spricht in sinnfreien, kryptischen rhythmischen Sätzen. Nur wenn es um sein Wahlversprechen geht, wird er deutlich, er werde die Bibliothek am Urban-Loritz-Platz in eine Ski-Halle umbauen.

Dazwischen ist die Geschichte einer tragischen Figur, Sebastian, eingefügt. Er ist in gewisser Weise dem Joker aus Todds Film nachempfunden. Unter seiner Clownmaske verbirgt Sebastian ein abgründiges Ego. Seine Mutter hat für ihn nichts als die Luft aus ihren Gedärmen übrig, seine Betreuerin am AMS vernichtet seinen Traum als Comedian zu reüssieren. Am Ende konfrontiert er seine Mutter mit den Verbrechen, die sie an ihm zugelassen hat, nämlich schwere Misshandlungen und Missbrauch durch Männer, die sie ins Haus geholt hat. Schließlich wird Sebastian zum Mörder.

Das Potenzial dieser Geschichte versenkt Weigel in überlangen trashigen Tanz-Szenen, die Performerinnen und Performer spielen derbe Grausamkeiten immer wieder wie in Zeitlupe vor. Da hilft es nichts, dass Andrzej Jaslikowski den Joker berührend darstellt. Er wurde wie alle Beteiligten vom Premierenpublikum ausführlich beklatscht.Susanne Zobl

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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