Ali-Serie „The Greatest“: Die Goldmedaille, die nicht weiß macht

Kultur

„Was hast du schon als kleines Kind immer gesagt, was du bist?“, fragt die Mutter des Teenager-Cassius-Clay. Der fürchtet sich in der Garderobe vor dem anstehenden Kampf. Aber es fällt ihm wieder ein, wer er immer schon war: der Größte. „The Greatest“, der Beiname von Boxer Muhammad Ali, ist auch Titel einer neuen Serie auf Amazons Prime Video. Diese Szene ist Teil einer Collage zu Beginn, die den Boxer auch gleichzeitig im Ring bei seinem Goldmedaillen-Kampf 1960 in Rom und bei einer Führung durch das Kolosseum zeigt. Bei der die Worte fallen: „Es ging nicht darum, wer gewinnt oder verliert, sondern wer stirbt und wer überlebt.“

Clay (Jalen Best) überlebt und gewinnt seinen Olympiakampf. Stolz legt er seine Medaille gar nicht mehr ab. Er trägt sie beim Spazieren und Shoppen in Rom und er trägt sie beim Festmahl, das seine Mutter gekocht hat für seine triumphale Heimkehr.

Vier Jahre

Die Serie handelt von den vier Jahren, die auf diese Ereignisse folgen: Clays Start als Profiboxer, die Zusammenarbeit mit seinem Trainer Angelo Dundee, seine Bekanntschaft mit Malcolm X, seine Hinwendung zum Islam und schließlich den Weltmeistertitel 1964 durch Sieg gegen Sonny Liston.

In der ersten Folge aber wird eindrücklich gezeigt, auf welchem Fundament das Talent, aber auch die Wut des legendären Boxers gebaut ist. Und das liegt in seiner Familie. Anfangs wirkt sie in der Euphorie geeint, aber schon bald zeigen sich die Risse. Vater Cassius Sr. lässt die Familie beim Umzug durch Louisville sitzen und geht lieber zum Wirten. Als der Zug dort vorbeikommt, geht er trotzig auch nicht raus: „Ich weiß, wie er aussieht.“ Es ist nicht nur Eifersucht auf den Erfolg des Sohns, es ist auch ein Hervorbrechen von Frust, der sich in einem Land der Rassentrennung und Diskriminierung ein Leben lang aufgestaut hat. „In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, mit einer anderen Hautfarbe hätte etwas aus mir werden können“, sagt er einmal.

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Missachtete Frau

Die Missachtung seiner Ehefrau führt zum Streit mit Cassius Jr., in dem er dem Sohn voraussagt, dass ihm sein Olympiagewinn gar nichts bringt. Und tatsächlich wird er in dem Imbiss, der einen „Gold Medal Burger“ anbietet, nicht bedient – denn „die Goldmedaille macht dich nicht weiß“.

Deswegen wirft er sie in den Ohio River. Eine Legende, kein historischer Fakt. Aber eins von vielen starken Bildern in dieser interessanten, fantastisch gespielten Serie.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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