Scheune zu Wohnhaus: Was bei der Umnutzung gilt

Wirtschaft

Der Stadel war eigentlich nicht Teil des Plans. Vielmehr sollte auf einem Grundstück mitten in Purbach am Neusiedler See ein neues Wohnhaus entstehen. Doch dann fiel der Blick auf das mehr als 120 Jahre alte Wirtschaftsgebäude, das seit Generationen zur Familie der Bauherren gehörte. Statt es abzureißen, machten die Architekten von plusminusnull den einstigen landwirtschaftlichen Nutzbau zum Mittelpunkt des neuen Wohnensembles.

„Überzeugt hat uns die Kraft des Bestands: Der Stadel prägt mit seinem steilen Satteldach von 52 Prozent Neigung das Ortsbild – und er ist ein Stück Familiengeschichte“, erklärt Architekt Alexander Mayer-Niepel. „Ein solches Gebäude abzureißen, hätte mehr zerstört als nur altes Mauerwerk.“

Was im Burgenland den Ausschlag gab, beschäftigt zunehmend auch andernorts Bauherren und Architektenteams: Was lässt sich aus alten Scheunen, Stadeln und Wirtschaftsgebäuden machen, deren ursprüngliche Funktion verloren gegangen ist? Die oft mächtigen Baukörper besitzen großzügige Raumvolumen, charakteristische Dachkonstruktionen und eine Materialität, die sich kaum nachbilden lässt. Zugleich stellen sie Planer vor Herausforderungen, die beim Neubau in dieser Form nicht existieren. Das beginnt bei der Tragfähigkeit. Jahrzehntealte Fundamente, unregelmäßiges Mauerwerk, geschädigte Holzkonstruktionen oder Feuchtigkeit können einen vermeintlich soliden Stadel zum kostspieligen Sanierungsfall machen.

Haus im Haus

In Purbach entschied man sich daher für das „Haus-im-Haus-Prinzip“. „Wir haben auf einer neuen Fundamentplatte innen, parallel zu den alten Außenwänden, neue Wände errichtet, die die tragende Funktion übernehmen“, erläutert Mayer-Niepel. Die erforderliche Wärmedämmung wurde zwischen alter und neuer Konstruktion untergebracht. „Die historische Hülle bleibt als Gesicht des Gebäudes erhalten, ohne statisch beansprucht zu werden.“ Darüber hinaus musste das bestehende Dach etwas angehoben werden. Das Ergebnis: Im Erdgeschoß finden Garage und Haustechnik Platz, darüber liegen die Schlafräume. Der offene Koch-, Ess- und Wohnbereich befindet sich im angrenzenden Neubau.

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Dass gerade die vermeintlichen Einschränkungen zu außergewöhnlichen Wohnlösungen führen können, zeigt auch ein Projekt im oberösterreichischen Hausruckviertel. Hier verwandelte Wolf Architektur einen alten Holzstadl innerhalb eines Vierseithofes in Wohnraum für die nächste Generation. Zuvor wurden spätere Anbauten entfernt, schadhafte Teile der Konstruktion erneuert und die ursprüngliche Hofstruktur wieder freigelegt. „Die Reparatur, das Bereinigen und das behutsame Einfügen waren die Prämissen“, erklärt Architekt Wolf Großruck. 

Für ihn liegt der besondere Reiz solcher Vorhaben in der gewachsenen Architektur: „Wir sind Bewunderer der sparsamen und funktionalen Qualität von alten Bauernhöfen.“ Tatsächlich bieten ehemalige Wirtschaftsgebäude räumliche Möglichkeiten, die gewöhnliche Wohnhäuser selten bereithalten. Hohe Dachräume lassen Platz für Galerien, offene Tragwerke prägen die Atmosphäre, bestehende Hofstrukturen schaffen geschützte Außenbereiche. Im Hausruckviertel wurde ein neuer Holzbau in die vorhandene Scheunenstruktur eingefügt. Deren Stützen und Balken bestimmen weiterhin den Rhythmus der Räume. „Das große Potenzial findet sich allein schon in der Dimension der Nutzgebäude und in ihrer Vielfältigkeit der Struktur“, sagt Großruck.

Es werde Licht

Allerdings sind Scheunen von Natur aus keine Lichtwunder. Tiefe Baukörper und wenige, oft kleine Öffnungen erschweren die Belichtung. Großflächige Verglasungen können das Erscheinungsbild zuweilen empfindlich verändern. In Oberösterreich fand man eine raffinierte Lösung: Transparente Dachziegel lassen Tageslicht ins Scheuneninnere, von wo es über öffenbare Dachflächenfenster bis in die Wohnräume gelangt. In Purbach wurde eine geschützte Terrasse in das Satteldach integriert.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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