Eine ganz andere „La Bohème“ gelingt konzertant in Graz

Kultur

Von Helmut Christian Mayer

„La Bohème“ von Giacomo Puccini, die zu den am meisten aufgeführten Werken der Opernliteratur zählt, kennt jeder Opernliebhaber. „La Bohème“ von Ruggero Leoncavallo, die dieser ein gutes Jahr nach Puccini 1897 herausbrachte, ist hingegen nahezu unbekannt und wird kaum gezeigt.

Aus demselben Stoff – er nutzt die gleiche epische Vorlage von Henri Murgers Roman „Scènes de la vie de Bohème“, wobei Leoncavallo selbst das Libretto verfasste – schuf er ein überraschend anderes Werk: Hier stehen Musette und Marcello (diesmal ein Tenor) im Zentrum. Feiern, Hunger und Schulden erzählen, wie rasant künstlerische Unabhängigkeit zur Überlebensfrage wird.

Musikalisch ist das Werk reich an feiner, eingängiger Melodik, an lyrischen und dramatischen Momenten. Zuerst temperamentvoll, freudvoll aber auch rau, dann aber extrem melancholisch wird das turbulente, aber auch entbehrungsreiche Leben der Bohemiens geschildert.

Zu Unrecht vergessen

Die Oper braucht den Vergleich mit Puccini nicht zu scheuen und ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Jetzt führt die Grazer Oper dieses Meisterwerk in konzertanter Form mit einem erlesenen Ensemble auf: Mit Anna Brull, die als Musette mit Zartheit aber auch dramatischer Durchschlagskraft ihres Mezzo punkten kann. Ihr Marcello ist Gaston Rivero, der mit großer Italianità sowohl mit Intimität aber auch emotionalen Ausbrüchen inklusive strahlender Spitzentöne gefällt. Lisa Wittig liefert als Mimi berührende Intensität, besonders in ihrer Sterbeszene. Petr Sokolov glänzt als Rodolfo mit einem edlen, aber auch zu Gefühlsausbrüchen fähigen Bariton.

Immens aufgewertet ist die Rolle von Schaunard, dem Ivan Orešćanin ein starkes Profil verleiht. Wie auch die kleineren Partien alle überzeugen: Wilfried Zelinka, Daeho Kim, Ted Black, Neira Muhić, Aleš Jenis, Jianwei Liu, der kurioserweise seinen Auftritt verpasst und sogar für eine kurze Unterbrechung sorgt. Tadellos auch der Chor des Hauses bei seinem Kurzauftritt.

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Daniela Musca am Pult der Grazer Philharmoniker, anfänglich die Sänger mit Lautstärke etwas zudeckend, lässt sowohl die leichte Beschwingtheit und intime Tiefe ebenso klar erklingen wie auch die emotionalen Eruptionen. Vom Orchester wird mit perlenden Klängen, subtilen, farbigen Klangmischungen wie auch packender Dramatik musiziert. Stehende Ovationen! Ab 28.11. bringt die Grazer Oper als direkten Vergleich übrigens Puccinis „La Bohème“ szenisch auf die Bühne.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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