
Marie Rötzer, die neue Direktorin des Theaters in der Josefstadt, schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie lässt Johann Nestroy im Original spielen, sie verpflichtete Robert Meyer, dem Vorgänger Herbert Föttinger eine neue Heimstatt gab, und sie bringt eine Novität: Der Nino aus Wien, 1987 als Nino Mandl geboren, schrieb die Couplets. Der endlich auch Wienerlieder singende Indie-Musiker steht zudem als Diener auf der Bühne.
KURIER: Die Rötzer muss eine b’soffene Kutscherin sein – wie die die Leut z’sammführt, ’s is stark!
Robert Meyer: Das ist ja aus meinem Text! (Pause.) Aber wenn Sie damit uns meinen: Stimmt! Wir kannten uns vor dieser Produktion nicht.
Der Nino aus Wien: Jedenfalls nicht persönlich. Ich hab’ den Robert mal in der Volksoper gesehen. Und ich kenne ihn vom Film „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von 1979. Da spielt er mit dem Helmut Qualtinger, dem André Heller und dem Hanno Pöschl. Das war wohl meine erste Begegnung mit ihm.
Meyer: 1979! So jung bin ich!
Wie hat Rötzer Ihnen denn die Produktion schmackhaft gemacht?
Meyer: Sie sagte, dass sie mich gerne als Schnoferl hätte – und ich sagte: Super, großartig! Ich hab’ dafür allerdings meinem Freund Josef Ernst Köpplinger, der in München das Theater am Gärtnerplatz leitet, einen Korb geben müssen. Aber er hat eingesehen, dass der Schnoferl die größere, bessere Partie ist.
Sie spielen einen Winkelagenten.
Meyer: Das war in der Zeit von Nestroy ein Mann, der so getan hat, als wäre er ein Rechtsanwalt. Er hat Verträge gemacht, obwohl er nicht die Grundlagen dafür hatte. Der Schnoferl ist auch eine Art Heiratsvermittler. Sehr ungern, weil er die Frau von Erbsenstein selbst sehr gerne hätte. Aber er hilft wieder seinem Freund Gigl. Vor acht Jahren hat es nicht funktioniert. Nun ist die gute Frau Witwe geworden und offenbar sehr wohlhabend. Aber es funktioniert wieder nicht, weil sich der Herr von Gigl verschaut – eben in das Mädl aus der Vorstadt.
Gleichzeitig ist es auch ein Krimi.
Meyer: Es geht um einen großen Betrug, der erst auf den letzten drei Seiten aufgelöst wird. Schnoferl ist daher auch Detektiv, aber leider kein wahnsinnig guter, weil er andauernd ausplaudert, hinter was er schon gekommen ist.
Und wie kam der Nino ins Spiel?
Nino: Regisseur Dominique Schnizer hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte. Dass ich jemals in der Josefstadt was machen werde, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Die Anfrage kam so aus dem Nichts. Ich hab’ mir gedacht: Josefstadt? Wirklich? Ich bin halt ein Indie-Musiker, da denkt man nicht als Erstes an einen Josefstadt-Aufenthalt. Aber das klang nach einem Abenteuer. Ich dachte, es passt gut in die Zeit, jetzt mal was anderes zu machen. Es hat gepasst, mich darauf einzulassen. Eine andere Welt.
Also im Establishment gelandet?
Nino: Bin ich wahrscheinlich eh schon längst.
Aber zumindest von „Neubau alone“ ins Ensemble der Josefstadt.
Nino: Ja, nach diesem Album, das ich ohne meine Band aufgenommen hab’, hierher zu kommen: Das ist eine wilde Mischung. Es ist schön zu sehen, was sich alles ausgeht.
Stehen Sie zum ersten Mal in einem Theaterstück auf der Bühne?
Nino: Ich hab’ schon im Werk X …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



